Anonyme Testesser in Kindergärten

Nach Rundem Tisch in Wels werden Geschmack und Zutaten überprüft

Bis Weihnachten werden in Welser Kindergärten und Schulen Mystery-Eater ebendort zu Mittag Probeessen, so das Ergebnis des auf Wunsch von ÖVP-Stadtrat Peter Lehner gestern abgehaltenen Runden Tisches, nachdem Greenpeace schlechte Noten aufgetischt hatte: Der Anteil an biologischen Lebensmitteln sowie an regionaler Kost sei zu gering. Auch die Auswahl an fleischlosen Mahlzeiten lasse zu wünschen übrig. Über dieses Testergebnis war vergangene Woche ein Disput zwischen Bildungs-Stadtrat Johann Reindl-Schwaighofer (SPÖ) und Stadträtin Margarete Josseck-Herdt (FPÖ) ausgebrochen. Reindl-Schwaighofer will wieder „selber kochen“ in einer neuen Zentralküche anstatt wie derzeit einen Teil der Verpflegung auszulagern. Jossek-Herdt hingegen machte ihren roten Kollegen für das schlechte Abschneiden verantwortlich, da im Gegensatz zu den Kindergärten, für die sie verantwortlich ist, die Schulen nicht ordentlich den Fragebogen retourniert hätten. Abseits dieses politischen Hickhacks sorgte der letzte Platz im Ranking von Wels — gemeinsam mit Kapfenberg und Dornbirn — aber auch für Verwunderung. Denn Mitarbeiter des Magistrats hätten von Juni bis Oktober 2018 auch in den Kindergärten und Schulen ohne Vorankündigung gespeist. Ihre Benotung fiel durchwegs gut bis sehr gut aus. Auch von den Schülern gebe es „durchwegs positive Rückmeldungen“. Um diesen Widerspruch zur Greenpeace-Erhebung aufzuklären, entschied man am Runden Tisch, an dem auch Bürgermeister Andreas Rabl (FPÖ) Platz genommen hatte, sogenannte Mystery-Eater kosten zu lassen. Man werde Kontakt mit Ernährungswissenschaftern aufnehmen, denn es gehe nicht nur um eine Geschmacksfrage. „Eine objektive Überprüfung der geschmacklichen Qualität des Essens verbunden mit der Prüfung der verwendeten Zutaten soll Aufschluss über das weitere Vorgehen geben“, sind sich alle Beteiligten.