Höhepunkt in Österreich Mitte April bis Mitte Mai

Den Höhepunkt der Erkrankungszahlen in Österreich erwartet Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zwischen Mitte April und Mitte Mai. Das sei aber nur seine persönliche Einschätzung. Wenn der Peak später eintrete, werde er kleiner sein, und damit wäre auch das eine gute Nachricht, “weil dann waren diese Maßnahmen erfolgreich”, sagte er am Freitag in Wien.

Mit Stand Freitag 15.00 Uhr waren 7.399 Personen mit dem Coronavirus infiziert, 58 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt offiziell aufgrund des Virus gestorben.

Bundesweit wurden bisher 40.000 PCR-Tests auf SARS-CoV-2 durchgeführt. Damit ist man noch deutlich von den angestrebten 15.000 Tests täglich entfernt, weil es an den dafür nötigen Reagenzien fehle, die am Weltmarkt “extrem umkämpft” seien. Nachschub sei aber in Sicht, kündigte der Ressortchef an. Grundsätzlich will er neben der bisherigen Strategie zusätzlich Zielgruppen-Testungen durchführen lassen, vor allem die Gesundheitsberufe.

Es sei “viel, viel, viel zu früh”, um die Frage zu beantworten, ob bzw. in welchem Umfang der Maßnahmenkatalog zur Eindämmung des Coronavirus verlängert oder aufgehoben wird. Zu Beginn der Corona-Krise hatte es tägliche Zuwachsraten jenseits von 30 Prozent gegeben. Bis Ostern müsse man “in den mittleren einstelligen Wachstumsbereich kommen”, sagte Anschober. Zuversichtlich stimme ihn, dass die Infektionszahlen “punktgenau dort sind, wo die Prognosen gelegen sind”. Das bedeute, dass man sich auf die Berechnungen verlassen und darauf aufbauen könne.

Über das Wochenende will die Regierung evaluieren, inwieweit die Maßnahmen wirken und diese nach Ostern nachgeschärft, beibehalten oder gelockert werden können bzw. müssen. Am Montag werde man dazu mehr sagen können, versprach Anschober.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) berichtete von bisher 6.900 Anzeigen der Polizei. Das Spektrum reiche von Menschenansammlungen über “Coronapartys” bis zu Spuckattacken. Beide Minister appellierten an die Bevölkerung, jetzt nicht nachzulassen.

Nachdem im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams im Tiroler Bezirk Landeck 39 Corona-Infektionen aufgetreten waren, hat nun die Infektionskette nachvollzogen werden können. Dabei habe sich herausgestellt, dass drei Mitarbeiterinnen im Pflege- und Reinigungsbereich nebenberuflich auch als Aufräumerinnen in Beherbergungsbetrieben in Ischgl und St. Anton tätig waren. Diese dachten, dass sie von dieser Regelung ausgenommen seien, da sie schon seit 7. März nicht mehr in den betroffenen Quarantänegebieten waren. Dass der Quarantäneaufruf bis zum 28. Februar zurückreichte, war ihnen offenbar nicht bewusst.

Nach der Sachverhaltsdarstellung, die Verbraucherschützer Peter Kolba bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck eingebracht hatte, weil die Tiroler Behörden die Sperren von Hotels und Pisten hinausgezögert haben sollen, sind beim Verbraucherschutzverein (VSV) bis dato rund 400 Meldungen von Tirol-Urlaubern eingegangen. Der VSV hatte am Dienstag gegen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), Landesräte, Bürgermeister und Seilbahngesellschaften eine Anzeige eingebracht und gleichzeitig eine europaweite Sammelaktion für Personen gestartet, die davon ausgehen, sich beim Ski-Urlaub in Tirol mit dem Coronavirus angesteckt zu haben.

Ähnlich wie im Lebensmittel-Handel ist auch in den Apotheken nach den anfänglichen Hamsterkäufen Ruhe eingekehrt. Der österreichische Arzneimittel-Vollgroßhandel (PHAGO) registrierte in der zweiten Woche der Maßnahmen durch die Bundesregierung eine Beruhigung im Medikamenten-Bereich. Schmerz-Medikamente rangieren nach wie vor an oberster Stelle, gefolgt von Blutdrucksenkern.

Die Med-Uni Graz hat ein Trainingsvideo online gestellt, das den richtigen Umgang und das Anlegen von Schutzausrüstung für medizinisches Personal und andere in der Bekämpfung des Coronavirus tätige Personen beschreibt. Das von der Med-Uni produzierte Video folgt unter anderem den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) hat sich am Freitag erneut ein rund 17 Kilometer langer Lkw-Stau bei der Ausreise nach Ungarn gebildet. Rumänische Behörden würden an der ungarisch-rumänischen Grenze nun ebenfalls Gesundheitschecks durchführen, was zu einem Stau in Ungarn führe. Die Ungarn würden deshalb die Abfertigung verlangsamen.

Nachdem ein Kärntner Soldat zwei Mal negativ auf das Coronavirus getestet worden ist, ist mit Freitagmittag die Sperre der Türk-Kaserne in Spittal an der Drau wieder aufgehoben worden. Die Kaserne in der Kärntner Bezirkshauptstadt war wegen des Verdachtsfalls zwei Tage lang gesperrt gewesen.

In der Steiermark standen am Freitag 232 Soldaten im Assistenzeinsatz an der Staatsgrenze, um sowohl die Polizei bei der Kontrolle als auch die Gesundheitsbehörden zu unterstützen. In ganz Österreich unterstützten am Freitag noch 530 Soldaten die Logistik von Lebensmittelketten, was aber am Freitag beendet werde.

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