Anschober möchte nach Impfstart „Unentschlossene“ gewinnen

Nach dem Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus will Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) „möglichst viele Menschen“ dafür gewinnen, diesen „Schlüssel für die Wende“ ebenfalls zu nutzen. Das kündigte Anschober nach dem „großen Tag im Kampf gegen die Pandemie“ am Montag bei einem Medientermin in Wien an. Als „europäische Erfolgsgeschichte“, die im Juni noch unvorstellbar gewesen wäre, bezeichnete Covid-Sonderbeauftragter Clemens Martin Auer den Impfbeginn.

Damals wurde vonseiten der EU erstmals ein Portfolio potenzieller Impfstoffe aufgestellt, und dann 2,7 Milliarden Euro an Anzahlungen an die Hersteller geleistet – Österreich hätte dies als einzelner Staat nicht zustande gebracht, dass gegenwärtig vor allem die Frage bliebe, wann man wie viel vom jeweiligen Impfstoff zur Verfügung habe. Von den insgesamt sechs Vakzinen ist zwar erst jenes von Biontech/Pfizer zugelassen, aber das Produkt von Moderna, in den USA und Kanada bereits im Einsatz, wird wohl auch bald in der EU geliefert werden. Auer rechnet damit, dass es in der ersten Jänner-Woche der Fall ist – am 6. Jänner entscheidet hier die EU – und im ersten Quartal möglicherweise 200.000 Dosen von diesem Impfstoff, der ebenfalls auf mRNA-Basis funktioniert, an Österreich gehen.

„Jetzt geht es darum, die nächsten Schritte zu tun“, sagte der Gesundheitsminister nach dem seines Wissens nach erfolgreichen Start – und zwar nicht „von null auf 100“, sondern professionell. Dazu wolle man „ein Netzwerk von Kooperationspartnern knüpfen, um etwa in Gemeinden oder auch in Betrieben breit aufgestellt zu sein, erläuterte Anschober in der Vertriebsniederlassung der Herba Chemosan Apotheker AG in Wien-Simmering. Wobei dies weiterhin von zwei Grundfaktoren abhängig sei: Einerseits von der Marktzulassung der Impfstoffe, andererseits von der Frage, wann die Teillieferungen einlangen werden. Eine erste erwartet sich der Minister in dieser Woche. Anschober sieht dabei auch eine große Herausforderung für die Logistik, wie er sagte.

Am 12. Jänner startet einmal eine flächendeckende Impfmöglichkeit in Alters- und Pflegeheimen. Nach den ersten beiden Monaten 2021 werde man die Schutzimpfung gratis und Schritt für Schritt für alle Interessierten ausrollen, wobei jedem Wahlfreiheit zustehen werde, betonte der Minister erneut. Die Leiterin der Impfabteilung im Gesundheitsministerium und gleichzeitiges Mitglied des Nationalen Impfgremiums, Maria Paulke-Korinek, sagte in Richtung der Bedenken gegenüber den beiden mRNA-Impfstoffen, dass diese absolut nicht neu sind, sondern über 20 Jahre Forschung dahinter stehen- neu sei die Nanopartikel-Technologie zur Stabilisierung der Vakzine. Weiterhin zu früh ist es zu sagen, ob eine Impfung vor Übertragung und Weitergabe der Krankheit schützen kann, wie bei Influenza.

Die Phasen der Impfung sind dreigeteilt: In der ersten Phase werden vor allem Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sowie Personal im Gesundheitswesen geimpft, in Phase zwei ältere Personen, Menschen mit Risikoerkrankungen und Personal in kritischer Infrastruktur. Auer erläuterte dazu, dass Menschen, die nicht in Pflegeheimen wohnen, aber über 65 Jahre alt sind, von niedergelassenen Ärzten proaktiv angesprochen werden sollen. Das soll ab Februar passieren, hängt aber von der Zulassung des Impfstoffs auf Vektorbasis des britischen Herstellers AstraZeneca ab. Da dieses Vakzin im Kühlschrank lagerbar ist, kann es etwa auch im Zuge eines Hausbesuchs geimpft werden, denn das Motto laute: “Ich bringe die Impfung zu den Menschen.„

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Die Phase drei, ab wann also die gesamte Bevölkerung die Gelegenheit haben wird, sich impfen zu lassen, könnte dann im April starten. Davor wird die Informationsarbeit ein Schwerpunkt für die Regierung sein, sagte Anschober. Dazu zähle als erster Schritt die bereits erfolgte Einrichtung der Info-Hotline. In Summe habe es bis jetzt an die 20.000 Anrufe gegeben, wobei die Grundstimmung laut dem Minister aufgeschlossen und interessiert war. Auch ein Wissenschaftergremium werde für diese Fragen eingerichtet, das “in diesen Tagen erarbeitet und in Kürze präsentiert„ werde. Es gehe dabei um ehrliche Informationsarbeit: “Wir wollen möglichst viele Menschen dafür gewinnen, dass sie den Schlüssel für die Wende auch benutzen„, sagte Anschober.

Es geben in der Bevölkerung jene, die rasch eine Impfung wollen, und dann gebe es einen impfskeptischen Teil, den ganz großen Teil ortet Anschober jedoch “in der Mitte, wo sich viele die Meinung noch nicht gebildet haben„ – und um diese Personen werde es in den kommenden Wochen gehen.

Wie man im Laufe des kommenden Jahres die Zahl der bereits Geimpften publik machen werde, stehe noch nicht fest. Es werde wohl von Zeit zu Zeit Zwischeninformationen geben. Vorgestellt wurde indes bereits die Plattform, über die alle zugelassenen Impfstellen das Vakzin beziehen können – vom Arzt bis zu Firmen. Bestellung und Verteilung der Impfdosen erfolgt via e-Shop, ähnlich aufgebaut wie bekannte Webshops, aber mit der Sicherheit, dass nur Bezugsberechtigte das Vakzin erhalten.

Kritik an der Impfstrategie der Regierung kommt von der Opposition. Die NEOS freuen sich zwar über den Impfstart in Österreich und fordern eine “nationale Allianz„, um das Vertrauen in die Immunisierung zu erhöhen. Nötig sei dafür ein detaillierter und nachvollziehbarer Impfplan sowie ein “ehrliches und transparent erstelltes„ Informationsangebot. Die FPÖ forderte unterdessen ein “unabhängiges” Nationales Impfgremium ein.

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