Anti-Trump-Lager droht wieder die Selbstzerfleischung

21 Monate vor Präsidentschaftswahl ist bei den Demokraten die Liste möglicher Herausforderer schon sehr lang

Von Manfred Maurer

Andreas Khol und Bernie Sanders eint ideologisch nichts. Dennoch bekundete der ÖVP-Präsidentschaftskandidat 2016 seine Sympathie für den Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur für die Demokraten. Die Ikone der US-Linken verfügt also offenbar über eine gewisse Strahlkraft über die USA hinaus. Ob er diese erneut in einem Rennen um die Kandidatur einsetzen wird, hat der 77-Jährige noch nicht entschieden. Eines ist aber ziemlich sicher: Außer dem Alter eint ihn noch etwas mit dem Seniorenbund-Ehrenpräsidenten — Staatsoberhaupt wird Sanders nicht.

Wer gegen Trump antreten könnte

Kandidatur angemeldet:

Kirsten Gillibrand (52): New Yorker Senatorin mit klar linkem Profil.
Amy Klobuchar (58): Senatorin aus Minneapolis will zurück zum Klimavertrag.
Kamala Harris (54): Möchte erste afroamerikanische US-Präsidentin werden.
Tulsi Gabbard (37): Schrieb schon Geschichte als erste Hindu im US-Kongress.
Elizabeth Warren (69): Linke Professorin steht in der Kritik: Sie dichtete sich indianische Wurzeln an.
Julian Castro (44): Obamas Wohnbauminister spricht als Latino eine wachsende Wählergruppe an.
Cory Booker (49): Möchte nach Obama der zweite Afroamerikaner im Weißen Haus sein.

Kandidatur erwogen:

Beto O’Rourke (46): Hat bei Senatswahl im November Republikener-Hochburg Texas fast umgefärbt.
Michael Bloomberg (76): Liberaler Selfmade-Milliardär, aber schon sehr betagt.
Joe Biden (76): Obamas honoriger Ex-Vize teilt Bloombergs Altersproblem.
Bernie Sanders (77): Ikone der Linken, die aber am Wahltag schon 79 wäre.

Manche Medien mögen ihm zu Füßen ließen und viele Junge den roten Opa tatsächlich cool finden. Doch für einen, der sich selber einen Sozialisten nennt, gibt es in den USA keine Mehrheit.

Außerdem tummeln sich bei den US-Demokraten auch andere linke Aufsteiger, die ihren Hut längst in den Ring geworfen haben: Elisabeth Warren zum Beispiel, die gerade mit den Ruf nach einer Reichensteuer ins Rennen gezogen ist. Die seit 2013 für Massachusetts im Senat sitzende ehemalige Professorin für Wirtschaftsrecht startet allerdings mit einem Glaubwürdigkeitsproblem, weil ihre Behauptung, sie stamme von Indianern ab, nicht einem Gentest standhielt.

Aber es gibt auch andere, die mit dezidiert linken Positionen schon ins Rennen gegangen sind: Senatorin Amy Klobuchar tritt für ein Recht auf Abtreibung ein. Oder Kirsten Gillibrand, die Börsengeschäfte besteuern und Gewerkschaften stärken will.

Und damit kommen wir auch schon zum eigentlichen Problem der Demokraten: 21 Monate vor den nächsten Präsidentschaftswahlen und ein Jahr vor dem Beginn der Kandidatenkür wird die Liste möglicher Kandidaten immer länger. Ein gutes Dutzend hat die Kandidatur schon offiziell angemeldet beziehungsweise lässt Spekulationen über seine Kandidat unwidersprochen.

Linke, Liberale und Minderheiten-Vertreter

Das linke Lager ist auch deshalb stark engagiert, weil das eine Art logische Gegenbewegung zum rechtspopulistischen Donald Trump ist. Auch der Frauenanteil ist deshalb ungewöhnlich hoch. Die MeToo-Bewegung und eben Trumps frauenfeindliche Haltungen finden da ihren Niederschlag.

Das Spektrum der US-Demokraten ist natürlich viel größer als links und feministisch. Auch für Liberale gibt es ein Angebot: Zum Beispiel den Selfmade-Milliardär Michael Bloomberg, der ebenso wie Barack Obamas Ex-Vizepräsident Joe Biden zu denen zählt, die wahrscheinlich kandidieren werden. Noch einer, der unter Obama Regierungserfahrung gesammelt hat, ist Gary Booker. Der Afroamerikaner hat seine Kandidatur ebenso schon angemeldet wie Julian Castro, der als Latino die wachsende Minderheit der spanischsprachigen Bevölkerung anspricht. Tulsi Gabbard wiederum könnte als erstes hinduistisches Kongressmitglied ebenfalls auf eine Minderheit zählen.

Für das Präsidentenamt braucht es jedoch Mehrheiten. Und in dieser Hinsicht droht den Demokraten, was schon 2016 Trump den Weg geebnet hat: Damals hatte sich das Partei-Establishment um Hillary Clinton eine erbitterte Schlacht mit Bernie Sanders geliefert. Clinton obsiegte, ihre spätere Niederlage gegen Trump war aber auch eine Folge der demokratischen Selbstzerfleischung.

Solange die Kandidatenliste nur immer länger, aber kein breit aufgestellter Favorit gefunden wird, braucht Trump die Wahl 2020 noch nicht zu fürchten.