Anton Peschka, 84, Foodblogger

Herr Peschka kocht. Und das schon sein ganzes Leben lang. Einen Tag nicht am Herd zu stehen, kann er sich gar nicht vorstellen. Und damit auch alle anderen etwas davon haben – abgesehen von denen, die ohnehin regelmäßig in den Genuss von Herrn Peschkas Kochkunst kommen –, veröffentlicht der 84-jährige aus Eferding seine Rezepte seit einiger Zeit im Internet und zählt damit wohl zu den ältesten Bloggern weltweit

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Herr Peschka schwingt auch mit 84 den Kochlöffel noch mit Bravour, seine Rezepte stellt er im Internet zur Verfügung. Sein Blog hat schon zahlreiche begeisterte Fans erreicht. © Wagenhofer

Text: Melanie Wagenhofer

„Sind Sie Vegetarier?“ ist die erste Frage des netten Herrn in der Gault-Millau-Schürze. Es duftet schon herrlich und wenige Sekunden nach der Verneinung brutzelt schon der Fisch in der Pfanne. Die Handgriffe sitzen immer noch perfekt, Anton Peschka huscht während des Gespräches hin und her und lässt sich nicht drausbringen. Jedes Rezept hat der rüstige Koch und ehemalige Gasthausbesitzer im Kopf, abgewogen wird nichts. Für ihn gibt es auch heute noch keinen Tag ohne Kochen, da würde ihm etwas fehlen, und Peschka ist auch überzeugt davon, dass ihn das geistig fit hält. Als Koch hat er keine Vorlieben, er macht alles — von der Vorspeise bis zum Dessert — gern.
In kurzer Zeit sind die Gerichte fertig, in alter Restaurantküchenmanier werden die Teller platziert und konzentriert angerichtet. Auch eine ansprechende Optik ist wichtig. Heute gibt es Lachs, der auf der Zunge zergeht, in leichter Dill-Oberssauce, die den Geschmack des Fisches unterstreicht, aber nicht übertüncht, dazu kräftige Speckbohnen und herrliche Petersilkartofferl, natürlich aus Herrn Peschkas Heimat Eferding. Regionalität und Saisonalität sind ihm ebenso wichtig wie die Einfachheit der Rezepte — schließlich soll man sie ja leicht nachkochen können.

140.000 Aufrufe und Besucher aus 86 Ländern

Vor drei Jahren haben seine Töchter ihm zum Geburtstag seinen Blog „Herr Peschka kocht“ geschenkt, auf dem jetzt jeden Montag ein neues Rezept vom Koch, der ohne das Kochen nicht leben kann, veröffentlicht wird. Drei, vier Vorschläge hat er für das Wochenrezept immer parat, gemeinsam mit seiner Tochter Karin — ja, die renommierte Buchautorin — trifft er die Auswahl. Herr Peschka stellt dabei nicht nur die Rezepte zur Verfügung, sondern macht auch die ansprechenden Fotos von seinen Speisen, die dann ins Internet gestellt werden. Das Echo ist höchst erfreulich, der Blog hatte seit dem Start ca. 140.000 Aufrufe, verfügt über 228 Abonnenten, über Facebook folgen ihm 433 Leute. Laut Statistik haben bisher Leute aus 86 Ländern den Blog besucht, natürlich kommen die meisten Zugriffe aus Österreich und Deutschland, aber dann finden sich in der Liste gleich Länder wie die USA, Schweiz, Japan bis hin zu Brasilien, Hongkong, Mexiko, Australien… Eine Eferdingerin, die in den USA lebt, habe sich via Internet mit einem Kommentar gemeldet, erzählt Peschka: Sie sei schon als Kind regelmäßig mit ihren Eltern im Gasthaus der Peschkas gewesen, um dort Beuschl zu essen. Ihr Mann, ein US-Amerikaner, sei ein großer Freund der österreichischen Küche und sie glücklich, ihm jetzt Beuschl à la Peschka servieren zu können.

Das Griesnockerl-Video ist der Internet-Hit

Manche der bisher rund 160 veröffentlichten Rezepte stammen noch aus Peschkas Lehrzeit, manche aus seiner Zeit in der Schweiz und manche standen auf der Speisekarte seines Gasthauses. Weil er es gar nicht sehen kann, wenn sich junge Leute im Supermarkt Backmischungen für Kaiserschmarrn kaufen, wo das doch frisch so schnell gehen würde, hat Herr Peschka seinen Kaiserschmarrn à la minute veröffentlicht. Er und seine Frau Ulrike essen sehr gerne Rindfleisch mit Semmelkren, Gselchtes mit Specklinsen und frisches Schweinernes mit Weinkraut. Die Rezepte dafür sind jetzt ebenfalls Allgemeingut geworden. Auch Tipps, wie man etwa eine Krenwurzel richtig aufbewahrt, finden sich auf Herrn Peschkas Seiten. In einem seiner Videos zeigt er, wie man mit einem Löffel und der Hand Griesnockerl formt und bekam dafür besonders viele Klicks. Herr Peschka ist kein Freund von allzu viel Schnickschnack. Ihm genügen ein paar Gewürze, mit denen bringt er alles auf den Punkt. Auch für schmackhafte Resteverwertung hat der Koch viel übrig: Eingebrannte Erdäpfelscheiben etwa seien ebenso ein Klassiker aus seiner Gegend wie die Kombination von Hollerröster und warmen Erdäpfeln.

Anton Peschka stammt aus einer Gastronomenfamilie. Schon sein Vater hat Koch gelernt und Küchen in großen Häusern wie dem Peterskeller in Salzburg geleitet. Weil sich seine Frau einen eigenen Betrieb gewünscht hat — die beiden hatten sich im Hotel Excelsior in St. Gilgen kennengelernt —, erwarb er 1931 den Roten Krebs in Eferding. Die sieben Kinder – Anton Peschka war das jüngste – saßen nach der Schule dort in der Küche, holten sich ihr warm gestelltes Essen aus dem Ofen und machten ihre Hausaufgaben. Die meisten gingen wieder in die Gastronomie, wenn auch nicht immer ganz freiwillig, die Familie brachte zwei Köche, einen Bierbrauer und einen Kellner hervor: „Ich wurde nach Linz zum Schwarzen Bären in die Kochlehre geschickt“, erzählt Peschka. Im Berufsschulinternat in Bad Goisern gab es diverse Hotelzeitungen und als die Zeit der Gesellenprüfung nahte, suchte sich Anton eine Stelle in der Schweiz heraus und bewarb sich, um gleich nach erfolgreichem Abschluss 1951 ins Nachbarland zu gehen. Die Eltern unterstützten ihn dabei: „Schau dir was an“, hätten sie zu ihm gesagt. Mehrere Saisonen verbrachte der junge Koch am Genfer See, in Lausanne und Montreux in verschiedenen gehobenen Restaurants, wo er gut verdient und auch viel gelernt habe. Man bot ihm sogar an, ein Restaurant zu übernehmen. Weil sein Bruder als Nachfolger im Familienbetrieb in Eferding plötzlich ausfiel, holten die Eltern Anton Ende der Fünfzigerjahre zurück, er übernahm den Roten Krebs 1962. Dort wurde schon seit jeher gutbürgerliche Küche kredenzt, Anton setzte die Tradition fort, nicht ohne das, was er in der Schweiz gelernt hatte, mit einzubringen. So sei er einer der ersten in der Gegend gewesen, der Spargel fix auf der Karte gehabt habe. Auch Innereien bereitete er für seine Kundschaft zu und war bald bekannt für Spezialitäten wie Nierndl, Leber oder Bries. Gemeinsam mit seiner Frau Ulrike führte er den Betrieb bis zur Pensionierung im Jahr 1999. Weil sich unter den Kindern kein Nachfolger fand, wurde dann zugesperrt. Den ehemaligen Gasthof der Familie bieten die Töchter mittlerweile als „Gastzimmer“ für Veranstaltungen und private Feiern an.
Einen Computer hatte Herr Peschka schon vor seinem Blog, heute liest er nicht nur regelmäßig begeistert die vielen netten Kommentare, sondern auch die Statistiken, die verzeichnen, wie viele Besucher es an jedem Tag gab und welche Rezepte am meisten aufgerufen wurden. Als Nachtisch gibt es heute ein feines Schokoladen-Lebkuchenparfait, dazu einen herrlichen Hollerröster und frischen Obstsalat. Normalerweise kommt bei den Peschkas als Nachspeise Kompott auf den Tisch. Herr Peschka bedauert, dass der Klassiker von den meisten Speisekarten verschwunden ist, dem früher eine eigene Rubrik gewidmet gewesen sei. Überhaupt würden ihm auf den Speisekarten statt Mehlspeisen wie Mohr im Hemd und Eispalatschinken traditionelle Klassiker wie Griesschmarrn, Buchteln, Pofesen und Polsterzipf besser gefallen. Wer weiß, vielleicht holt sich ja auch der eine oder andere Wirt Anregungen auf seiner Seite…
https://herr-peschka-kocht.com

 

Eingebrannte Erdäpfel

Zutaten: gekochte Erdäpfel, Essiggurken, Essig, Butterschmalz oder Öl, Obers, Mehl, Zwiebel, Knoblauch, Majoran, Kümmel, Salz, Pfeffer

Zubereitung: Zuerst die gekochten Erdäpfel in etwas dickere Scheiben und die Essiggurken würfelig schneiden, Zwiebel und Knoblauch klein schneiden, Kümmel leicht durchhacken. Für die dunklere Einbrenn Zwiebel und Knoblauch gut anrösten, mit Mehl stauben und durchrühren, bis alles eine gute Farbe angenommen hat (der Profi streut auch gern eine Prise Zucker über die Zwiebel). Mit Bouillon (oder Suppenwürfel) aufgießen, gut durchrühren, bis die Einbrenn fertig ist, also eine gute, leicht dickflüssige Konsistenz hat. Gurkerl und Gewürz (Marjoran und Kümmel), einen Spritzer Essig und den Obers einrühren, die gekochten Erdäpfeln dazugeben, und mit Salz und Pfeffer abschmecken
Eine tolle Beilage, die man früher gern zu einer gekochten oder gebratenen Wurst gegessen hat – oder auch als feine Hauptspeise am Abend serviert.

 

Buchteln

Zutaten: 80 dag Mehl, 4 Dotter, 2 ganze Eier, 20 dag Butter, 3/8 l Milch, Hefewürfel, zwei gehäuft EL Zucker, Pkg. Vanillezucker, Zitronenabrieb, 4 cl Rum, Prise Salz Marmelade

Zubereitung: Los geht’s mit dem Dampfl: Mehl in eine Schüssel geben, in eine Mulde in der Mitte die Hefe hineinbröckeln, rundherum Zucker und Salz geben (auf Mehl, nicht auf die Hefe!). Einen Teil der lauwarmen Milch über die Hefe geben, etwas Mehl darüberstreuen, zudecken und ca. 15 Min. gehen lassen – an einem warmen Ort.
Die Butter schmelzen lassen, Eier (4 Dotter, 2 ganze) in die warme Milch schlagen, Rum und einen Großteil der Butter auch in die Milch rühren. Gut verrühren. Den Rest der Butter gleich in einer eckigen Backform zergehen lassen. Wenn das Dampfl aufgegangen ist, die restliche Zutaten dazugeben, gut durchschlagen (per Hand oder mit Küchenmaschine). Der Teig ist fertig, wenn er glatt ist und sich gut vom Kochlöffel löst. Mit Mehl bestreuen und zugedeckt gehen lassen, bis er die doppelte Größe hat. (Tipp: Teigschüssel in ein warmes Wasserbad stellen.)
Teig auf bemehlte Arbeitsfläche geben, etwas ausrollen und in Quadrate schneiden. Mit Marmelade füllen, einzeln zusammenschlagen und in die Pfanne schlichten (Schlichttechnik wie bei Topfenpalatschinken). Die Buchteln dann noch mal ca. 10 Min. zugedeckt gehen lassen. Im Rohr bei 180 Grad ca. 20 bis 25 Minuten backen. Mit Zucker bestreuen und servieren. Mhmmm. Buchteln schmecken auch kalt wunderbar. (Sie lassen sich sogar einfrieren. Sofern welche übrig bleiben.)