Antonio Fian: Nachrichten aus einem toten Hochhaus. Erzählungen

„Im Schlaf“ hieß 2009 eine Sammlung von mehr als fünf Dutzend kurzen „Erzählungen nach Träumen“ von Antonio Fian, bei denen sich Alltag, Ängste, Literatur- und Kulturbetrieb ebenso skurril wie vergnüglich vermischten. Der Schlaf des in Wien lebenden Kärntners scheint nicht viel ruhiger geworden zu sein: Über drei Dutzend neuer Traumgeschichten finden sich in „Nachrichten aus einem toten Hochhaus“. Und wieder ist es höchst unterhaltsam, Fian dabei zuzuhören, wenn er quasi auf der Analysecouch davon berichtet, in seinen Träumen bekannten Kollegen von Josef Winkler bis Günter Grass in den absurdesten Situationen zu begegnen, von Josef Hader im Kaffeehaus aufgeregt den genialen Titel seines neuen Kabarettprogramms verraten zu bekommen („Husten, Schnupfen, Heiterkeit“), oder bei Lesungen mit gänzlich Unerwartetem wie der Dauer-Beschallung durch ein Radio, das den „Anschluss an die Finanzmärkte“ garantiere und daher nicht abgeschaltet werden dürfe. Doch auch Visionen eines Überwachungsstaats oder Variationen von Familienkonflikten begegnen einem in Fians Träumen. Diesmal gibt es auch zwei längere, traumlose Bonus-Tracks: „In der Mur-Mürz-Furche“ ist ein Monolog eines Bahnreisenden, der einen literarisch grundierten Reiseführer der anderen Art abgibt. Und die titelgebende Erzählung führt am Ende in die südungarische Stadt Pecs. whl
Antonio Fian: Nachrichten aus einem toten Hochhaus. Erzählungen. Literaturverlag Droschl, 116 Seiten, 18 Euro

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