Aorta war kurz vorm Platzen

Innviertler Pensionist hatte heftige Bauchschmerzen und ging zum Arzt. Im KH Ried wurde eine lebensgefährliche Ausstülpung der Bauchschlagader festgestellt. In einem minimal-invasiven Eingriff konnte eine passende Gefäßprothese über die Leiste eingeführt werden. Dadurch wurde dem 73-Jährigen eine große OP erspart, er konnte das Spital nach drei Tagen wieder schmerzfrei verlassen.

Patient Franz Reithofer (l.) mit Primar Claus Kölblinger und Oberarzt Gilbert Hainzl (hinten) © KH BHS Ried

Wegen heftiger Bauchschmerzen kam Franz Reithofer in das Gefäßzentrum im KH der Barmherzigen Schwestern Ried. Als Ursache wurde rasch ein Aortenaneurysma, das bereits einen Einriss hatte, entdeckt. Noch am selben Tag konnte die lebensbedrohliche Erkrankung minimalinvasiv mit einem so genannten Stentgraft behandelt werden. Drei Tage später verließ der 73-Jährige das Krankenhaus bereits wieder.

Reithofer war einer von rund 70.000 Menschen in Österreich, die mit einer Zeitbombe im Bauch leben. Er litt an einer Ausweitung (Aneurysma) der Bauchschlagader. Nur die Hälfte der Betroffenen kann gerettet werden, wenn das Aneurysma reißt. Der Innviertler hatte Glück, weil er seine Symptome – ein heftiger, stechender Schmerz im Unterbauch – ernst genommen hat.

Sein Hausarzt schickte ihn mit der Rettung nach Ried ins Spital. Nach einer Computertomografie erkannte der Radiologe die gedeckte Ruptur eines Aortenaneurysmas – das heißt, dass die massiv ausgeweitete Bauchschlagader schon eingerissen und es damit zu einer Einblutung in das umliegende Gewebe gekommen war. Somit lag ein lebensbedrohlicher Notfall vor.

Der Patient wurde unverzüglich zur Überwachung auf die Intensivstation gebracht. Für den Fall, dass sich die Blutung weiter verstärkt, wurde ein Operationssaal für eine Notoperation freigehalten. Oberarzt Gilbert Hainzl, der Leiter des Gefäßzentrums, schildert: „Das Aneurysma war für eine endovaskuläre Behandlung gut geeignet und der Patient kreislaufstabil. Somit entschieden wir uns, die Behandlung minimal-invasiv durchzuführen und damit dem Patienten die Belastung einer großen Bauchoperation zu ersparen. Gleichzeitig stand jedoch ein OP-Team bereit, um notfalls eine offene Operation durchführen zu können.“

Stentgraft über die Leiste eingeführt

Die Computertomografie erlaubte die genaue Vermessung der Gefäße. Ein so genannter Stentgraft, ein verstärkter Kunststoffschlauch in Y-Form, wurde passgenau bereitgestellt. In Narkose wurden beide Leistenarterien punktiert und spezielle Verschlusssysteme zur sicheren Versorgung der Eintrittsstellen in das arterielle Gefäßsystem eingebracht. Mit dieser Technik kann die Freilegung der Arterien mit Schnitten vermieden werden.

„Über die Punktionsstellen in der Leiste wurden unter Röntgensichtkontrolle die verschiedenen Komponenten der Gefäßprothese eingeführt und an den richtigen Positionen im Gefäß entfaltet, sodass die Aussackung nicht mehr durchblutet war“, erklärt Prim. Doz. Claus Kölblinger den Eingriff, den er selbst vorgenommen hat. Die Vorher-Nachher-Bilder zeigen, dass das Blut nur noch durch die Prothese fließt, die Ausstülpung ist durch den Stentgraft vom Blutstrom ausgeschaltet und somit ist die Lebensgefahr gebannt.

Der Innviertler ist „unendlich dankbar dafür, dass es so gut gegangen ist“. Schmerzen hatte er nach dem Eingriff keine mehr und er ist schon wieder zu Scherzen aufgelegt: „Einen Maßanzug habe ich nicht, aber jetzt habe ich Maß-Adern.“

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