Appell für Tempo bei Pflegereform

Hattmannsdorfer warnt vor Wegfall der Ausbildung „Pflegeassistenz“

Die Sicherstellung der Pflege wird eine Herausforderung für die gesamte Politik.
Die Sicherstellung der Pflege wird eine Herausforderung für die gesamte Politik. © godfather — stock.adobe.com

„Nach der augenscheinlichen Bewältigung der Akutphase der Corona-Krise und dem Personalwechsel im zuständigen Sozialministerium muss nun endlich Tempo in die zugesagte bundesweite Pflegereform kommen. Die Sicherstellung der Pflege ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, entsprechend engagiert und konsequent muss das Projekt auf Bundesebene in Angriff genommen werden“, betont OÖVP-Sozialsprecher LAbg. Wolfgang Hattmannsdorfer.

Unverständliche Regeln

Außerdem würden Pläne kursieren, die Ausbildungsschiene „Pflegeassistenz“ 2024 auslaufen zu lassen.

„Aufgrund der demografischen und personellen Herausforderungen in der Altenpflege fordern wir den Bund aber dringend auf, die Ausbildungsmöglichkeit aufrechtzuerhalten. Zudem plädieren wir für eine praxisorientierte Anpassung und Erweiterung der Kompetenzen der Berufsgruppe der Pflegefachassistenzen“, so Hattmannsdorfer – und er macht diese derzeitige Problematik an einem konkreten Beispiel fest: So könnten Pflegefachassistenzen nicht alleinverantwortlich im Nachtdienst zum Einsatz kommen, weil sie aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage beispielsweise keine suchtmittelhaltigen Medikamente verabreichen dürfen.

„Heißt, dass im Nachtdienst immer zusätzlich eine diplomierte Pflegekraft anwesend sein muss, um derartige Arzneien zu verabreichen. Eine schwer nachvollziehbare Regelung, zumal Fachassistenzen sehr wohl Medikamente wie beispielsweise Insulin verabreichen dürfen“, so Hattmannsdorfer.

Auch die zuständige SPÖ-Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer sieht den Bund in der Pflicht, bisher sei außer großen Ankündigungen nichts geschehen. Es brauche aber rasch Klarheit, wie die Finanzierung der Pflege in Zukunft aussehen soll, und eine Zielsteuerung über die Verteilung der Aufgaben zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Die SPÖ fordert in diesem Zusammenhang auch 20 Prozent mehr Pflegepersonal in OÖ.

Hattmannsdorfer gibt den Ball retour und appelliert an die zuständige Soziallandesrätin Gerstorfer „im Sinne eines Alterns in Würde und in ihrem direkten Zuständigkeitsbereich nachhaltige Akzente bei der Bereitstellung von Personal, bei der Entlastung der Pflegekräfte sowie beim Einsatz neuer Technologien zur Erleichterung des Pflegealltags zu setzen.“

Der mit 400.000 Euro dotierte Innovationstopf könne offensiv für die Etablierung technologischer Neuerungen verwendet werden. „Schließlich bergen Forschung und Entwicklung enormes Potenzial wenn es darum geht, die Pflegekräfte bei Routinearbeiten in Diagnostik, Versorgung, Dokumentation oder der Umlagerung von Pflegebedürftigen zu unterstützen.“

Negative Sichtweise

Ein großer Teil der Auszubildenden im Pflegebereich sieht die Zukunft der Pflege in Österreich negativ.

Laut einer während der Corona-Pandemie durchgeführten elektronischen Erhebung des Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV) Steiermark unter 610 Auszubildenden aus ganz Österreich gaben 39,6 Prozent an, eine negative Sichtweise auf den Pflegeberuf zu haben. Nur 17,7 Prozent blicken laut der Umfrage optimistisch in die Zukunft.

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