Applaus beim Einkauf: „Die Europa League wird in ganzer Stadt gelebt“

Frankfurt-Trainer Glasner im VOLKSBLATT-Interview über den Finaleinzug

Oliver Glasner
Oliver Glasner © AFP/Kose

Spätestens seit dem Finaleinzug mit Eintracht Frankfurt in der Europa League gehört Oliver Glasner zu den ganz Großen der heimischen Trainerriege. Als fünfter österreichischer Coach nimmt der Riedauer am Mittwoch in Sevilla gegen die Rangers ein Fußball-Europacup-Endspiel in Angriff, als zweiter nach Ernst Happel könnte er sich mit einem Titel verewigen. Davor nahm sich Glasner Zeit für ein Interview mit dem VOLKSBLATT.

Herr Glasner, inwieweit hat man als Trainer am Anfang der Karriere ein Ziel namens Europacup-Finale im Hinterkopf?

GLASNER: Ich habe da eigentlich keine persönlichen Ziele in Form von Titeln, sondern nur eines im Kopf: Eine klare Idee, wie wir Fußball spielen wollen. Wenn das gut gelingt, hat man am Ende Erfolg. Aber natürlich ist dieses Finale ein Riesenerfolg.

Elitärer Kreis: „Nice to have, aber kein Ansporn“

Sie sind erst der fünfte österreichische Trainer in einem EC-Finale. Ist das etwas, was man erst später realisieren und einordnen kann?

Es war mir zunächst gar nicht bewusst, aber ich habe es natürlich mitbekommen. Es ist ‘nice to have’, aber solche persönlichen Auszeichnungen, in einen elitären Kreis aufzusteigen, sind mir nicht so wichtig und nicht mein Ansporn.

Wenn man in ein Finale kommt, will man natürlich auch gewinnen, oder?

So sind wir eigentlich jede Runde angegangen. Wir sind immer mit großer Überzeugung und Begeisterung reingegangen und haben darauf vertraut, was uns auszeichnet. Wir sind immer noch ungeschlagen und wollen das jetzt mit dem Finalsieg krönen.

„Ein Mega-Aufwand, vor allem mental“

Was zeichnet die Mannschaft in Europa besonders aus und warum hat man es in der Liga nicht immer geschafft, dies auf den Platz zu bringen?

Ab dem Barcelona-Spiel haben wir dem Aufwand Tribut gezollt. Wir hatten bis jetzt 55 Pflichtspiele. Es ist ein Mega-Aufwand, vor allem mental mit extremen Ausschlägen emotionaler Natur. Da schafft man es dann oft nicht, in der Bundesliga drei Tage später wieder auf so ein Level zu kommen.

Dieses Problem eint ja viele Teams, den Europacup und die Liga unter einen Hut zu bekommen.

Ja, wobei wir das im Herbst gut geschafft haben. Es ist weniger ein körperliches Problem — wir sind bei allen physischen Werten in der Liga in den Top 3 — als eines im Kopf.

Wo sehen Sie die größten Stärken ihrer Mannschaft?

Ich denke, man sieht jetzt auch bei meiner vierten Trainerstation eine klare Idee, wie wir spielen wollen. Wir haben eine kompakte Defensive, sind physisch sehr stark und haben einen richtig guten Teamspirit.

Eine große Rolle bei den Erfolgen spielen wohl auch die Fans, oder?

Die Fans sind ein Wahnsinn, wobei wir trotzdem die schlechteste Heimbilanz seit 50 Jahren haben. Aber natürlich sind sie ein großer Faktor, in der ganzen Stadt wird die Europa League so sehr gelebt, hat so einen enormen Stellenwert. Dann schaffst du es auch, außergewöhnliche Leistungen zu bringen.

Inwieweit macht sich diese Begeisterung auch im Alltag bemerkbar?

Es ist dauerpräsent, es gibt seit Wochen nichts anderes mehr. Wenn man nur zum REWE geht, wird man sofort darauf angesprochen, neulich haben sogar einige Leute zu applaudieren begonnen.

Mit einem Sieg würde man sich für die Champions League qualifizieren, bei einer Niederlage eine neuerliche internationale Teilnahme verpassen. Inwiefern ist das im Hinterkopf?

Darüber machen wir uns überhaupt keine Gedanken. Wir müssen uns alles verdienen und mit einem Sieg hätten wir das. Wenn nicht, haben wir es uns nicht verdient, weil unsere Leistungen nicht gut genug waren. Daraus gilt es dann, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Abschließend: Am Samstag steigt für Ihre Ex-Klubs LASK und SV Ried ein richtungsweisendes OÖ-Derby in der Fußball-Bundesliga. Wie sehr verfolgen Sie die beiden Vereine noch?

Ich schaue mir die Ergebnisse an, für mehr bleibt leider momentan keine Zeit.

Mit Frankfurt-Trainer OLIVER GLASNER sprachen Roland Korntner und Christoph Gaigg

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