Arbeiterkammer: Banken bieten immer weniger Sparbücher an

Nicht nur Zinsen sind immer seltener zu bekommen, auch Sparbücher werden Mangelware. Ein Test der Arbeiterkammer (AK) zeigt: Nur sechs von elf Banken bieten noch ein klassisches Sparbuch ohne Bindungsfrist an. Die minimalen Zinserträge werden dann noch von den Spesen aufgefressen. Die AK fordert: Konsumentinnen und Konsumenten sollen bei den Sparformen zwischen Sparbüchern und Online-Sparkonten auswählen können, einen Zwang zu digitalen Sparprodukten sollte es nicht geben.

Bei elf Banken mit Filialen in Wien wurde von der AK im Juli und August nachgefragt: Austrian Anadi Bank, Bank Austria, BAWAG P.S.K., BKS Bank, DenizBank, Erste Bank, Hypo Oberösterreich, Oberbank, Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, VakifBank International und WSK Bank.

Von den befragten elf Banken bieten nur sechs ein Sparbuch ohne Bindungsfrist an, bei dem man sein Geld täglich abheben kann. Drei haben es nur für bestehende Kunden, bei zwei Banken ist ein Sparbuch gar nicht mehr möglich.

Online-Sparkonten haben neun von elf Banken, zwei haben dieses Produkt nicht. Sparcards, also Sparen mit Bankkarte, gibt es bei vier Banken. Ein Sparbuch mit vereinbarter Bindungsfrist haben nur mehr drei Banken im Angebot. Kapitalsparbücher, also ein fixer Betrag auf eine gewisse Zeit gebunden, haben noch vier Banken, drei nur mehr für bestehende Kunden, bei vier Geldhäusern kann keines mehr eröffnet werden.

„Sparbücher sind bei den Banken nicht mehr wirklich in“, resümiert AK-Konsumentenschützer Christian Prantner. „Die Zinsen für Sparprodukte sind im Keller. Überdies fressen die Spesen die schmalen Zinserträge ganz auf.“ Die Bank Austria verrechne alleine für die Eröffnung eines Sparbuchs eine Gebühr von 20 Euro – bei einem Zinssatz von 0,01 Prozent pro Jahr müsste ein täglich abhebbares Sparguthaben mit 10.000 Euro 26,7 Jahre veranlagt sein, um nur die Eröffnungsspesen von 20 Euro durch die Zinserträge auszugleichen.

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Auch Schließungsgebühren beim Sparbuch von beispielsweise vier Euro können den minimalen Zinsertrag ganz auffressen. Die Banken zahlen bei täglich fälligen Sparprodukten (Sparbuch, Sparkonto/-card, Onlinesparen) Zinsen in Höhe von 0,001 bis 0,125 Prozent pro Jahr. Bei längerer Bindung ist etwas mehr drin: Beim Festgeld auf fünf Jahre etwa reicht die Bandbreite von 0,05 bis 0,50 Prozent pro Jahr. Sogenannte Negativzinsen, also Abzüge der Bank für das Guthaben, darf es laut einem OGH-Urteil in Österreich beim Sparbuch nicht geben. Einen Zinsen- und Spesenvergleich für Sparguthaben gibt es unter .

Die AK rät allen Sparerinnen und Sparern: Bei der Bank nach Spesen und Kosten nachfragen, zum Beispiel für Buchungszeilen, die Kartengebühr und Kontoführungsgebühr. Zum Schutz des Sparens gilt die Einlagensicherung: Spar- und Giroeinlagen sind mit 100.000 Euro pro Kunde und Bank abgesichert. Wer statt zu sparen in Wertpapiere veranlagen will, müsse das höhere Risiko und die möglicherweise höheren Kosten bedenken.

Die AK-Erhebung „Wo gibt es noch ein Sparbuch“ ist unter nachlesbar.

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