Ministerin erwartet steigende Arbeitslosigkeit ab Herbst

Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sind in der ersten Septemberwoche weiter zurückgegangen. Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) rechnet aber trotz dieses Trends mit leicht steigenden Arbeitslosenzahlen in den kommenden Wochen. Wegen der Corona-Pandemie, die eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst habe, und saisonaler Effekte “stehen wir in diesem Ausnahmejahr vor einem herausfordernden Herbst”.

Derzeit seien 409.231 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet – 357.184 davon seien arbeitslos, 52.047 in Schulungen. “Von der Vorwoche in diese Woche konnten wir also 14.000 wieder in Beschäftigung bringen”, sagte die Ministerin am Dienstag in Wien. Gegenüber dem Höchststand der Krise von Mitte April sei die Zahl der Arbeitslosen um 180.000 gesunken. Damals waren rund 588.000 Menschen ohne Job und über 1,3 Millionen zur Kurzarbeit angemeldet.

“Aktuell liegen wir bei 399.730 Personen in Kurzarbeit, also erstmals unter der 400.000-Grenze”, so Aschbacher. Die Zahl sei “massiv gesunken”, stellte sie fest. Gegenüber der Vorwoche gebe es derzeit um 52.769 Kurzarbeiter weniger. “Wir tun alles, damit die Betriebe wieder auf Normalbetrieb umstellen können”, meinte Aschbacher. Für die Kurzarbeit seien bereits 4,6 Mrd. Euro ausbezahlt worden, das entspreche einer Abrechnungsquote von 97 Prozent.

Wo es sich derzeit noch spießt, ist die zweite Phase des Fixkostenzuschusses für Unternehmen, die infolge der Coronakrise Umsatzausfälle zu beklagen haben. Die Bewilligung durch die EU steht noch aus. “Das ist gescheitert am Okay der Europäischen Kommission – ich verstehe das nicht”, beklagte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP). “Ich hoffe, dass die Kommission ihre Meinung bald ändert.” Denn es sei evident, dass “wir uns in einer Weltwirtschaftskrise befinden”. Der Minister hofft auf baldiges grünes Licht aus Brüssel: “Ich kann mir nur eine Zustimmung vorstellen und ich hoffe, sie kommt so schnell wie möglich.”

Beide ÖVP-Minister hoben hervor, wie wesentlich ausreichend Deutschkenntnisse für die Teilnahme am Arbeitsmarkt seien. “Die Integrationskurse zeigen, wie wichtig Deutsch- und Wertkurse sind, und auch die Frauenförderung”, sagte Aschbacher. Eine Lehre zu beginnen oder eine fortführende Ausbildung zu verfolgen, “wird nur möglich sein, wenn die Kinder Deutsch können, und dazu sind die Deutschklassen gut und braucht es zusätzliche Maßnahmen”, ergänzte Blümel. An manchen Wiener Mittelschulen gebe es “Klassen mit nur noch zehn Prozent, wo Deutsch Umgangssprache ist”.

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