„Arbeitswelt hat sich stark verändert“

ÖVP-Klubobmann August Wöginger stellt sich erneut der Wahl zum ÖAAB-Bundesobmann

Vor fünf Jahren beim Bundestag in Graz wurde ÖVP-Klubobmann August Wöginger mit 100 Prozent zum ÖAAB-Bundesobmann gewählt. Nun stellt sich Wöginger der Wiederwahl — wegen Corona muss diese allerdings per Brief abgehalten werden.
Vor fünf Jahren beim Bundestag in Graz wurde ÖVP-Klubobmann August Wöginger mit 100 Prozent zum ÖAAB-Bundesobmann gewählt. Nun stellt sich Wöginger der Wiederwahl — wegen Corona muss diese allerdings per Brief abgehalten werden. © APA/Hoffmann

Seit fünf Jahren ist August Wöginger Bundesobmann des ÖAAB, nun stellt er sich der Wiederwahl. Corona-bedingt muss diese per Brief abgewickelt werden, die Verkündung des Ergebnisses wird dann bei einem digitalen Bundestag am 24. April stattfinden.

Aber nicht nur den ÖAAB-Bundestag, sondern das Coranavirus habe die gesamte Arbeitswelt verändert, auch darauf müsse man reagieren, so Wöginger. Im neuen ÖAAB-Team des ÖVP-Klubobmanns ist übrigens auch Christine Haberlander, die als eine von sechs Stellvertretern kandidiert und ihm noch im März als Landesobfrau in Oberösterreich nachfolgt.

VOLKSBLATT: Sie stellen sich erneut der Wahl zum ÖAAB-Bundesobmann, warum tut man sich das an?

KO WÖGINGER: Es ist für mich eine enorme Ehre aber auch ein großer Auftrag, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land vertreten zu dürfen. Ich setze mich mit ganzer Kraft für ihre Anliegen ein. Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist das besonders wichtig.

Die Wahl muss per Brief erfolgen und das Ergebnis wird in einer Online-Veranstaltung bekannt gegeben. Wie sehr schmerzt es, dass es keinen persönlichen Kontakt geben kann?

Das ist wirklich schmerzlich für mich. Ich bin gerne bei den Menschen, bei Sitzungen und mag es, bei großen Veranstaltungen zu sprechen. Das fehlt uns allen, auch mir. Aber ich hoffe, dass sich diese Zeiten bald wieder ändern.

Sie haben vor fünf Jahren 100 Prozent Zustimmung erreicht, wie wollen Sie das noch toppen?

Ich hoffe, dass mir möglichst viele Delegierte ihr Vertrauen aussprechen. Denn wir – ich sage bewusst wir, denn mein Team und ich arbeiten gerne und gut zusammen – konnten viel erreichen. Vom Familienbonus Plus bis hin zu massiven steuerlichen Entlastungen, sowie zahlreichen Unterstützungsmaßnahmen am Arbeitsmarkt.

Der zweite Teil des Bundestages soll im Herbst stattfinden, bis dahin können Ideen für ein neues Programm eingebracht werden. Wie soll das ablaufen?

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Nach dem ersten Teil mit der Wahl eines neuen Teams am 24. April, starten wir mit einem inhaltlichen Programmprozess. Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Corona-Krise hat auch deutlich gemacht, dass wir neue Antworten auf die Herausforderungen der Zeit finden, aber auch bestehende Bereiche neu denken müssen. Deshalb beginnen wir einen breit angelegten Reformprozess, unter Einbindung von Funktionären auf allen Ebenen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus allen Bereichen wollen wir Lösungen und Konzepte für diese unsere neue Arbeitswelt finden

Was sind die nächsten Vorhaben, die Sie umsetzen möchten?

Wir haben drei Schwerpunkte: Jobs der Zukunft liegen u. a. im Pflegebereich. Dazu kommt, dass ich meine, eine digitale Jobbörse kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Unternehmen rascher zusammenbringen. Weitere steuerliche Entlastung der arbeitenden Menschen sind wichtig und die Mitarbeiterbeteiligung ist mir ein großes Anliegen.

Corona hat auch die Arbeitswelt stark verändert, Stichwort Home-Office und Kurzarbeit. Welche Lehren muss man ziehen und welche Rahmenbedingungen müssen noch angepasst werden?

Die Kurzarbeit ist ein Erfolgsmodell und hat vielen in dieser schweren Krise geholfen. Home-Office ist für viele jetzt notwendig und wird Teil unserer Arbeitswelt bleiben. Es sind neue Technologien eingezogen – Stichwort Videokonferenzen. Hier muss man einfach umdenken und neue Wege gehen.

Im Regierungsprogramm und eine langjährige ÖAAB-Forderung ist das Pensionssplitting. Wann wird es zu einer Neuregelung kommen und wie wird sie ausschauen?

Wir befinden uns dazu gerade in Verhandlung. Es war ein wichtiger Schritt, dies im Regierungsprogramm zu verankern. Das Pensionssplitting ist ein wirkungsvolles Mittel, um für mehr Gerechtigkeit bei den Pensionen zu sorgen und die Pensionsschere zwischen Frau und Mann zu schließen.

Noch bevor der Online-Bundestag stattfindet, wird der ÖAAB-Landestag virtuell stattfinden, Sie werden nicht mehr antreten. Wie sehr weint oder lacht das Auge?

Da habe ich zwei lachende Augen, denn wenn es am Schönsten ist, soll man gehen – noch dazu wenn man so eine tolle Nachfolgerin wie Christine Haberlander hat. Diese Weichenstellung stärkt die gesamte Organisation der Arbeitnehmer in der Volkspartei. Wir sind in Zukunft noch breiter aufgestellt. Die ÖVP-Arbeitnehmerorganisation ist damit noch besser an den maßgeblichen Schnittstellen verankert und kann sich so weiterhin aktiv in die positive Weiterentwicklung im Sinne der Arbeitnehmer und Familien auf Landes- und Bundesebene einbringen.

Mit ÖAAB-Bundesobmann KO AUGUST WÖGINGER sprach Herbert Schicho

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