Ars Electronica: Goldene Nicas und Starts Prize überreicht

Die Sieger des Prix Ars Electronica und des Starts Prize sind Freitagabend in Linz in einer Gala im Brucknerhaus geehrt worden. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) begann den Abend mit seiner Rede, im Anschluss wurden die international renommierten Preise, die Goldenen Nicas, überreicht.

Die Prix-Gewinner wurden aus insgesamt 3.046 Einreichungen aus 85 Ländern von Jurys ausgewählt. Heuer waren die biennalen Kategorien Digital Communities und Interactive Art an der Reihe. In ersterer heimste Bellingcat die mit 10.000 Euro dotierte Goldene Nica ein. Die weltweit agierende Recherche-Community bringt (Kriegs-)Verbrechen an die Öffentlichkeit. Sie bietet aber auch Anleitung für alle, die als Bürgerjournalisten aktiv werden wollen.

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Ebenfalls partizipativ ist das Siegerprojekt in der Interactive Art, „BitSoil Popup Tax & Hack Campaign“ der belgischen LarbitsSisters. Die Kampagne richtet sich gegen jene, die mit den im Internet preisgegebenen Daten aller Geld verdienen. Auf einer Website kann man Bots generieren, die virtuelle Protest-Postkarten an einen Regierungschef oder einen Boss der zehn größten Internetfirmen schicken. Offline wird die Teilnahme in ausgedruckten Tickets sichtbar.

Die Goldene Nica in der Computer Animation ging an Mathilde Lavenne aus Frankreich für ihre Arbeit „Tropics“. Sie geht darin in der Stadt Jicaltepec Erinnerungen aus der mexikanischen Diktatur nach. Dafür benutzte sie einen Faro-Scanner, mit dem Architekten üblicherweise dreidimensionale Bilder von Gebäuden aufnehmen, und produziert spannende Aufnahmen aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel.

Im U19-Bewerb setzten sich die vier Wiener HTL-Schüler Lorenz Gosa, Martin Hatler, Samuel Stallybrass und Vincent Thierry mit ihrem Spiel „Levers & Buttons“ durch. In dem Kooperationsspiel sitzt ein Teilnehmer vor dem Bildschirm, der andere übernimmt den bewegungsintensiven Part an der VR-Brille. Um zu reüssieren, müssen die beiden sehr intensiv kommunizieren. Den netidee-Spezialpreis holten sich Samuel Daurer und Ämilian Mayrhofer mit ihrer Musik-Suchmaschine „out of tune“.

Visonary Pioneer of Media Art wurde heuer das Leonardo-Netzwerk, eine der traditionsreichsten und weltweit führenden Plattformen für Kunst, Wissenschaft und Technologie. 1968 erschien das erste Leonardo-Journal, die Community wuchs über die Jahre, zusätzliche Formate entstanden. Roger Malina, Sohn des Gründers Frank und aktueller Herausgeber, übernahm den Preis. Er war auch 1990 am Aufbau der interactive-art-Kategorie des Prix beteiligt.

Der Starts Prize der EU-Kommission zeichnet Kooperationen zwischen Wissenschaft, Technologie und Kunst aus. 2.344 Projekte aus 88 Ländern wurden für den von Ars Electronica, dem Brüsseler Museum BOZAR und der Amsterdamer Waag veranstalteten und mit insgesamt 40.000 Euro dotierten Preis eingereicht.

In der Kategorie Innovative Collaboration setzten sich das niederländische Technologie-Start-up MX3D und das Joris Laarman Lab durch. Sie produzieren die weltweit erste voll funktionsfähige Stahlbrücke aus dem 3-D-Drucker. Das 12,5 Meter lange und 6,3 Meter breite kunstvoll geformte Bauwerk soll künftig Amsterdams ältesten Kanal, den Oudezijds Achterburgwal, überspannen.

In der Kategorie Artistic Exploration wurde die Interaktionsdesignerin Giulia Tomasello ausgezeichnet. Sie hat eine Slipeinlage ersonnen, die Frauen die Möglichkeit gibt, selbst gegen Scheidenpilze aktiv zu werden.

(S E R V I C E – )