Ashbel verschränkt für das donaufestival Horror und Komödie

Er hat ein Faible für popkulturelle Referenzen: Der israelische Regisseur Ariel Efraim Ashbel nutzt für seine Performances ein buntes Kaleidoskop aus Figuren und Formen. Beim donaufestival in Krems wird dieses Wochenende seine neueste Arbeit „Fire Walk With Me“ in der Dominikanerkirche uraufgeführt – laut Ankündigung eine Mischung aus Horror und Komödie. Wie diese beiden Bereiche zusammenpassen und wie man sechs Stunden lang die Spannung hält, verriet Ashbel im APA-Interview.

APA: Ihre Performance „Fire Walk With Me“ war ursprünglich bereits für 2020 vorgesehen, Corona verhinderte dann das Festival. Wie schwer war es, in diesen zwei Jahren die Spannung aufrecht zu halten?

Ariel Efraim Ashbel: Das ist wirklich eine halbe Ewigkeit her. Glücklicherweise war der Adaptionsprozess sehr einfach, alle Teammitglieder sind enge Freunde. Wir waren einfach wieder sehr glücklich, ins Studio gehen zu können.

APA: Wie sehr unterscheidet sich die jetzige Version von Ihren damaligen Vorhaben?

Ashbel: Der Rahmen – performatives Material von der Bühne in eine Kirche zu bringen und die Theaterzeit durch eine ausgedehnte Dauer zu ersetzen – ist gleich geblieben. Es gibt natürlich einige neue Zutaten, aber die Dichte und Intensität des Mahls, das wir geplant haben, ist noch da. Außerdem ist der Geschmack nach zweijährigem Marinieren umso reichhaltiger.

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APA: Mit dem Titel beziehen Sie sich auf David Lynchs „Twin Peaks“-Film. Wie hat sich das Projekt entwickelt?

Ashbel: Lynch war schon immer in meiner persönlichen Hall of Fame, und „Twin Peaks“ hatte einen großen Einfluss auf mich. Es ist wirklich ein Geschenk, das dich immer weiter belohnt. Ich habe vor einigen Jahren in einer Show mit Feuer gearbeitet, und meine Arbeiten sind immer nach Dingen benannt, die es schon gibt – also dachte ich mir, ich versuche es damit. Ich hoffe, dass unser Geist der Obskurität und des Verrückten treu bleibt gegenüber Lynchs fantastischem, Furcht einflößendem Multiversum.

APA: Ihnen geht es um eine Zwischenzone von Horror und Komödie. Dass diese beiden Aspekte oft zusammenfinden, ist wohl nichts außergewöhnliches, oder?

Ashbel: Ganz und gar nicht, das sind definitiv Geschwister! Beide beziehen sich auf Bereiche, die oft befriedet werden von unseren kulturellen Erfahrungen und den sozialen Codes, auf die wir uns geeinigt haben. Deshalb bieten sie auch einen nahrhaften Boden für Experimente. Wenn ich Sie erschrecke oder Sie zum Lachen bringen, dann befinden wir uns sofort in einer anderen Zone. Mir ist eine emotionale, unterhaltende Situation jedenfalls lieber als eine betont künstlerische Herangehensweise.

APA: Horror ist wohl auch etwas, was viele Leute angesichts der Pandemie oder nun aufgrund des Ukraine-Krieges empfinden. Wollen Sie mit „Fire Walk With Me“ auf tagesaktuelle Geschehnisse eingehen?

Ashbel: Politische Themen sind in meinen Arbeiten eher indirekt enthalten, als dass ich solche Dinge ganz offen ansprechen würde. Die Welt, die wir kultivieren, ist ein empfindlicher und großzügiger Raum, der Hoffnung und Imagination fördert, aber auch komplizierte Beziehungen und zarte Artikulationen. Die undurchsichtige Freude, die wir anbieten, ist der Wunsch nach einer gemeinsamen Zeit in unerwarteter Weise.

APA: „Fire Walk With Me“ ist als Langzeitperformance angelegt, rund sechs Stunden werden die Nachmittage in der Dominikanerkirche dauern. Was macht das mit dem Publikum, aber auch den Performern?

Ashbel: Wir werden sehen, welche Auswirkungen es haben wird. Der Ort beeinflusst uns jedenfalls, auf einer spirituellen wie rein räumlichen Ebene. Wir werden aber nicht nur das Hauptschiff der Kirche nutzen, sondern auch den Innenhof, womit auch die Architektur selbst zu einem dramaturgischen Element wird.

APA: Wie strikt ist dabei der Ablauf geregelt?

Ashbel: Das Konzept ist sehr flexibel, aber die Struktur selbst ist eher strikt. Wir durchlaufen eine Reihe von Aktionen während der Performance, wobei die Formen, Strategien und Modalitäten einem beständigen Wandel unterworfen sind. Es sind sechs Stunden, aber ohne Wiederholungen. Ich hoffe, dass die Leute früh kommen und lange bleiben werden, weil es stets Überraschungen geben wird.

APA: Wie stark können die einzelnen Performer gestaltend eingreifen?

Ashbel: Jeder teilnehmende Künstler ist eine eigene Welt. Wir arbeiten kollaborativ, manchmal kommt es mir gar vor wie ein Stamm. Die meisten von uns kennen sich seit gut zehn Jahren, es gibt aber auch neue Teammitglieder, insofern gibt es viel Bewegung. Das Publikum kann wiederum als Kurator seinen eigenen Ausschnitt wählen, seine eigene Zeitspanne. Im Raum darf man sich frei bewegen. Es braucht also ein aktives Betrachten.

(Die Fragen stellte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E – ; )

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