Auch Brauereien in Österreich mussten Bier wegschütten

Auch in Österreich haben Brauereien wegen der Corona-Pandemie Bier wegschütten müssen. Allerdings nicht in dem Ausmaß wie in Großbritannien, wo wegen der geschlossenen Pubs rund 50 Millionen Liter Bier vernichtet wurden.

In Österreich hätten meist die Mitarbeiter das Bier bekommen. „Wir wollen kein Bier wegschütten, aber wir wollen auch die bereits bezahlte Biersteuer zurück“, sagte Ottakringer-Chef Siegfried Menz am Donnerstag in einer Pressekonferenz des Brauereiverbandes.

Die Biersteuer sei hier ein Problem, denn wenn die Brauereien das gelbe Gold nicht wegleeren, bekommen sie die Steuer nicht zurück, erklärte Menz. Der Brauereiverband fordert generell eine Halbierung der Biersteuer auf das Niveau in Deutschland.

Vor allem in den Wintersportorten sei letzten Winter wegen der ausgefallenen Skisaison viel Bier übergeblieben. Die Fässer, die in der Regel noch vor dem ersten Schneefall in die Berghütten eingelagert werden, überschreiten nach ungefähr einen halben Jahr das Mindesthaltbarkeitsdatum.

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Selbst wenn 99 Prozent des Biers auch nach Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatum noch in Ordnung ist, werde es bei Fassbier „sicher das eine oder andere Mal zu einem Entleeren kommen müssen“, meinte Menz. Auch „weil es schwierig ist, ein 50 Liter Fass zuhause in der Familie zur Nachmittagsjause hinunterzubewegen.“

Die Brauereien haben die Corona-Krise vor allem durch die geschlossene Gastronomie und die Absagen bei Konzerten und anderen Großveranstaltungen zu spüren bekommen. Im Schnitt büßten die Brauer ein Fünftel ihres Umsatzes ein. Einzelne Brauereien verloren aber bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes.

Insgesamt wurden 2020 rund 840.000 Hektoliter Fass- und Tankbier weniger verkauft als im Jahr zuvor, das entspricht rund 170 Millionen Krügerl und bedeutet ein Minus von 46 Prozent. Bei den Bierpreisen in Österreichs Gasthäusern sind 170 Millionen weniger halbe Liter Bier ein Verlust von über einer halben Milliarde Euro.

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Eine Prognose, wie heftig das Wirtesterben nach der Pandemie ausfallen wird, wollte Menz nicht abgeben. „Wir hoffen, dass alle überleben, auch wenn das nicht ganz realistisch ist“. Es werde auch Gastronomen geben, die die Lust verloren haben. Die Brauereien seien bereit, den Wirten auszuhelfen, entscheidend werde aber sein, wie sich die Banken verhalten.

Auch der Pro-Kopf-Bierkonsum dürfte in der Pandemie gesunken sein, aber weiter bei rund 100 Liter pro Person pro Jahr liegen, schätzt Menz. Das Geschäft hat sich stark auf den Lebensmittelhandel verlagert, wo der Bierabsatz 2020 stieg. Am beliebtesten waren auch im Krisenjahr Lager und Märzenbiere mit einen Marktanteil von 68 Prozent.

Die über 300 Brauereien in Österreich kamen 2020 zusammen auf einen Umsatz von ungefähr 1,4 Mrd. Euro. Der Gesamtausstoß für Inlandsabsatz und Export sank um 4,2 Prozent auf rund 9,6 Hektoliter Bier. Den größten Marktanteil hat die Heineken-Tochter Brau Union mit ihren Marken Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Edelweiss.

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