Auch heuer nur freiwillige mündliche Matura

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Die mündliche Matura muss auch heuer nur auf freiwilliger Basis absolviert werden. Das gab Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Freitag bekannt. Auch in anderen Schulstufen soll den Schülern entgegengekommen werden: Mit einem Fünfer darf man automatisch in die nächste Schulstufe aufsteigen, wenn man im Vorjahr dieses Fach positiv absolviert hat. Außerdem findet im Sommersemester nur eine Schularbeit pro Fach statt.

Bei der mündlichen Matura haben die Schüler die Wahl, diese ganz auszulassen oder nur in einzelnen Fächern eine Prüfung zu absolvieren. Treten sie nicht an, erhalten sie in diesem Gegenstand im Maturazeugnis die Note des Jahreszeugnisses. Falls Schüler sich für eine mündliche Matura entscheiden, können die Themenbereiche um bis zu 30 Prozent gekürzt werden. Kleiner „Motivationsfaktor“ für einen Antritt: Im Maturazeugnis wird vermerkt, ob ein Schüler sich der Prüfung gestellt hat.

Wie geplant findet dagegen die schriftliche Matura statt. Sie startet am 20. Mai, wobei die bereits bekannten Erleichterungen gelten: So wird etwa die Arbeitszeit wie schon im Vorjahr um eine Stunde verlängert. Erreichen die Schüler mindestens 30 Prozent der Punkte, wird die Note des Jahreszeugnisses bei der Ermittlung der Maturanote einbezogen. Für Mathematik an der AHS gilt der bereits zu Schuljahresbeginn bekanntgegebene neue Notenschlüssel, bei dem die schwierigeren, textlastigen Aufgaben reduziert wurden. Einzige Änderung: Alle Schüler, die die Variante mit vier schriftlichen Matura-Prüfungen gewählt haben, müssen nur drei schreiben (Deutsch, Mathe, Fremdsprache) – das vierte Fach ist freiwillig.

Faßmann sprach von einem „fairen Angebot“: „In einem Jahr wie diesem ist Dogmatik und Strenge nicht das richtige Rezept.“ Mit Blick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und das lange Distance Learning meinte er: Bei der Matura werde nichts hergeschenkt. „Aber wir tun nicht so, als ob nichts wäre.“ Er freue sich, „dass wir uns zu dieser Lösung haben hinreißen lassen“.

Auch in allen anderen Schulstufen gibt es ähnliche Regelungen wie schon im Vorjahr: Bei einem einzigen Fünfer im Zeugnis darf ein Schüler automatisch (also ohne Nachprüfung) in die nächste Klasse aufsteigen – heuer allerdings nur dann, wenn er im Vorjahr das betreffende Fach positiv absolviert hat. Bei zwei oder mehr Fünfern liegt die Entscheidung über den Aufstieg ohne Nachprüfung bei der Klassenkonferenz.

Die Sprecherin der AHS-Direktoren, Isabella Zins, sprach von einem „wirklich heftigen Jahr“. Sie habe sich in der Vergangenheit zwar „sehr für den Erhalt eines mündlichen Elements bei der Matura eingesetzt“. Aufgrund der Infektionslage und dem langen Ausfall des Präsenzunterrichts sei sie aber „froh, dass es leichte Nachjustierungen gegeben hat“ Trotzdem könne sie jenen Schülern, die entsprechende Zeitressourcen haben und mental gefestigt seien, nur empfehlen, die Chance auf eine mündliche Prüfung wahrzunehmen.

Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek sprach von einem „fairen Kompromiss“: Jene Schüler, die sich mit ihrer Jahresnote im Maturazeugnis zufriedengeben, könnten diese abwählen – wer sich verbessern wolle, könne dies auch tun. Ähnlich äußerte sich die Grüne Bildungssprecherin Sibylle Hamann, die „eine faire Lösung unter unfairen Umständen“ lobte.

Weitere Regelung: Die gesetzliche Höchstdauer des Schulbesuchs wird um ein Jahr verlängert. Das bedeutet, dass alle Schüler, deren Schulpflicht mit einem negativen Zeugnis endet, freiwillig ein weiteres Schuljahr anhängen können.

Die SPÖ begrüßt die Freiwilligkeit der mündlichen Matura grundsätzlich. Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid kritisierte in einer Aussendung aber, dass Faßmann mit diesem Schritt zu lange gewartet habe. Ähnlich die NEOS: „Wir hätten uns hier viel früher Klarheit gewünscht, besonders auch, was die mündliche Matura betrifft“, so Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre. Ihr FPÖ-Pendant Hermann Brückl verlangt statt eines „Corona-Jahrgangs“ die Streichung der Zentralmatura sowie eine Rückkehr zur alten Reifeprüfung. Die Sozialistische Jugend will die Matura ganz abschaffen, die Industriellenvereinigung befürchtet wie auch lehrlingsausbildende Betriebe aufgrund der erneuten Aufstiegsklausel für Schüler mit Fünfer einen Mangel an Bewerbern für die Lehre.

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