Auch Kinder können Leben retten

Im Vergleich zu anderen Ländern ist in Österreich die Quote der Wiederbelebung durch Ersthelfer niedrig – liegt sie in Skandinavien bei 40 bis 70 Prozent, ist sie in Österreich bei zehn bis 20 Prozent. Steigern kann man die Rate an Reanimationen durch medizinische Laien vor allem durch Bewusstseinsbildung und flächendeckendes Training. Besonders Kinder und Jugendliche sollen für das Thema sensibilisiert werden.

Jedes Jahr erleiden rund 12.000 Österreicher einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Derzeit überlebt ca. ein Sechstel dieses Ereignis. Experten weisen darauf hin, dass weitere 1000 Österreicher pro Jahr gerettet werden können, wenn mehr Mitmenschen über Laienreanimation Bescheid wissen, die Rettungskette rasch aktivieren und mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. „Nicht nur Erwachsene können helfen“, erklärt Markus Simmer, Anästhesist und Intensivmediziner am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Schon Schulkinder lernen die richtige Technik

Die meisten Österreicher werden erst beim verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen der Führerscheinprüfung damit konfrontiert. „Eine britische Studie mit 157 Kindern im Alter zwischen neun und 14 Jahren zeigt aber, dass Schüler bei der Herzdruckmassage ebenso die korrekte Handposition anwenden können und die gleiche Kompressionsrate erreichen wie ältere Jugendliche“, gibt der Notfallmediziner zu bedenken. Selbst wenn jüngere Kinder körperlich noch nicht dazu in der Lage sind, den Brustkorb ausreichend tief einzudrücken, um einen Blutfluss ins Gehirn zu gewährleisten, können sie mit ihrem Wissen Erwachsene zu einer effizienten Herzdruckmassage anleiten.

„Wird mit dem Training schon in jungen Jahren begonnen und das Wissen zum Beispiel in der Schule oder in Vereinen wiederholt, führt dies zu einem nachhaltigen Lernerfolg. Vorbildhafte Projekte der skandinavischen Länder zeigen auf, dass, wenn schon Kinder lernen, die Maßnahmen der Wiederbelebung zu beherrschen, langfristig der Anteil an geschulten Personen der Gesellschaft steigen wird, die im Notfall bereit sind, effektiv zu helfen.“

In Oberösterreich startete in diesem Schuljahr erstmals in Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz das Projekt „Schüler retten Leben“, wo jedes Kind ab dem zehnten Lebensjahr zwei Stunden im Jahr Wiederbelebung im Rahmen des Schulunterrichts erlernt. Damit werden heuer an 138 Schulen 25.000 Schüler erreicht.

„Aufgabe der Schule ist es, Lebenskompetenzen zu vermitteln“, so Jugendrotkreuz-Landesleiter, Schulqualitätsmanager Franz Payrhuber: „Erste Hilfe leisten zu können und die Fertigkeiten der Wiederbelebung zu beherrschen, zählen zweifelsohne zu den wichtigsten Dingen.“ Das Jugendrotkreuz freut sich über jede Initiative und Kooperation, um diesem wichtigen Thema einen entsprechenden Stellenwert in der Schullandschaft zu geben. „Wir setzen in der Umsetzung auf unsere bestens ausgebildeten Lehrbeauftragten, die ihr Wissen an Pädagogen sowie die Schüler weitergeben“, so Payrhuber.

Beim Jugendrotkreuz erlernen Kinder im Rahmen des HELFI-Programmes bereits in der Volksschule die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe. „Richtig los geht es dann in der NMS oder der Unterstufe mit acht und 16 Stunden Erste-Hilfe-Kursen sowie speziellen Kursen, etwa für Kindernotfälle“, erklärt Payrhuber: „Es geht um altersangepasste, pädagogische Vermittlung von Wissen um die Erste Hilfe auf Basis neuester medizinischer Erkenntnisse.“

„Ab dem Volksschulalter können die Kleinen schon erkennen, dass ein Gesundheits- zustand nicht normal ist, zum Beispiel wenn die Oma kollabiert. Dann wählen Kinder 144“, sagt Simmer. Je nach Körperkraft können sie auch aktiv eingreifen und eine wirkungsvolle Herzdruckmassage durchführen. „Kinder agieren viel intuitiver, lernen besser, haben keine Angst, bei der Wiederbelebung etwas falsch zu machen“, weiß der Mediziner.

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