Auch mobile Helfer sind im neuen „Corona-Modus“ unterwegs

Mundschutz, Desinfektion, Selbstkontrolle bei den Besuchen daheim

Die Corona-Krise hat nicht nur die 24-Stunden-Pflege und die Altenheime vor Herausforderungen gestellt. Auch die Mobilen Dienste von Rotem Kreuz, Caritas oder Hilfswerk, die Senioren ein Leben daheim ermöglichen, mussten sich auf eine neue Routine umstellen. In Oberösterreich ist das Rote Kreuz in jedem Bezirk „mobil“.

776 Mitarbeiter kümmern sich dort um knapp 7300 Klienten. Sie wechseln u. a. Verbände, setzen Injektionen (Dipl. Hauskrankenpfleger), übernehmen die Körperpflege (Fachsozialbetreuer) oder helfen im Haushalt (Heimhelfer).

Aus Angst reduziert

Im Bezirk Linz-Land hat Sylvia Steinmetz die Leitung über ihre 25 Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter. Um die 230 Klienten werden von ihnen in sieben Gemeinden betreut — von einmal pro Woche bis zu zweimal täglich. Normalerweise, denn ab Mitte März mussten bei einigen die Leistungen sogar reduziert werden.

„Viele Angehörige hatten ja plötzlich Zeit, die Tätigkeiten zu übernehmen. Dazu kam bei manchen die Angst vor einer Ansteckung“, sagt die Plegedienstleiterin, die stolz darauf ist, keinen einzigen Corona-Fall bei Mitarbeitern und Klienten zu haben.

Dafür wurden aber auch viele Sicherheitsmaßnahmen getroffen. „Handschuhe und Desinfektion sind bei uns ohnehin Standard“, sagt Steinmetz. Neu dazu kamen der Mund-Nasenschutz und die täglichen Selbstchecks, um eine Ansteckung zu vermeiden. Außerdem gab es ganz strikte Richtlinien dafür, wie bei Verdachtsfällen im Klientenumfeld zu verfahren ist.

Für Steinmetz schwieriger wurde die Organisation: „Weil man ja nicht wusste, wie es mit dem Virus und den Maßnahmen weitergeht.“ Und auch auf die mentale Verfassung der Mitarbeiter musste geachtet werden. „Es war und ist wichtig, mit jedem in Kontakt zu bleiben!“

Hilfe für die Seele

Die mobilen Helfer hatten dagegen verstärkt ein Auge auf die Seele ihrer Klienten. „Vor allem in den ersten 14 Tagen haben alle viel über Corona geredet“, sagt Julia Maier (kl. Bild). Die 37-jährige Kronstorferin ist seit neun Jahren Rotkreuz-Heimhelferin. In den letzten Wochen war sie vermehrt auch als einzige tägliche Bezugsperson für ihre bis zu zehn Senioren am Tag da, weil mancherorts die Angehörigen aus Sicherheitsgründen wegbleiben mussten.

„Die Angst zu nehmen, das war ein großer Teil unserer Aufgabe“, erzählt Maier. Die Angst vor Ansteckung oder auch vorm Rausgehen. Und sogar die unbegründete Angst vor Lebensmittelknappheit — denn viele der Senioren hatten diese nach aus dem Zweiten Weltkrieg in Erinnerung.

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