Auch Spanien widerspricht Kurz bei Impfstoffen

Nach mehreren Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission hat auch Spanien den Vorhaltungen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bezüglich der Impfstoffverteilung in der Europäischen Union widersprochen. „Nein. Die EU hat die Impfstoffe für die EU-Staaten besorgt. Und zwar jene Menge, die wir bestellt haben“, sagte die spanische Außenministerin Arancha Gonzalez Laya der Tageszeitung „Die Presse“ (Dienstagsausgabe).

Dass die EU die Vakzine besorgt habe, habe zur Fairness beigetragen, betonte die spanische Ministerin. „Stellen Sie sich einmal vor, jedes einzelne Land – groß, klein, mittel – wäre allein auf den Markt gegangen und hätte sich dort die Vakzine allein erkämpfen müssen. Das wäre ein Basar gewesen“, sagte sie unter Verwendung der Wortwahl des ÖVP-Chefs.

Kurz hatte am Freitag in einer überraschenden Pressekonferenz die ungleiche Verteilung von Impfdosen unter den EU-Staaten beklagt und den Verdacht von geheimen Nebenabsprachen einzelner Mitgliedsstaaten mit Pharmafirmen geäußert. Diese Angaben stellten sich jedoch als haltlos heraus. Bei dem vermeintlichen „Basar“ handelte es sich nämlich um einen geregelten Prozess für den Ankauf nicht abgerufener Impfdosen durch andere Mitgliedsstaaten.

Während Staaten wie Dänemark oder Malta diesbezüglich besonders eifrig gewesen sein dürften, soll Österreich nicht in vollem Umfang zugegriffen haben. Weil er ihn nicht über eine zusätzliche Ankaufmöglichkeit informiert habe, verkündete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Montag den Abzug des zuständigen Beamten, Clemens Martin Auer, aus dem EU-Impfgremium. Die Gründe, warum der Ankauf unterblieben ist, sind unklar. Medienberichten zufolge soll Kurz zudem bereits im Jänner von dem System zum Weiterverkauf von Impfdosen gewusst haben, und zwar durch einen Bericht Anschobers im Ministerrat.

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