Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Auf dem Todestrip

China sei Dank hat sich die Nato bei ihrer 70er-Geburtstagfeier doch noch ein Kerzerl auf die Torte stellen können, die die internen Konflikte ein bisschen überstrahlt und vor allem Macrons Danaergeschenk in den Hintergrund drängt: die Totenkerze.

Es war natürlich an der Zeit, dass die Nato China als Herausforderung, ja auch als Bedrohung begreift. Viel zu lange wurde das Reich der Mitte als verlängerte Werkbank, dann als Supermarkt, aber nicht als angehende Supermacht mit globalem Anspruch wahrgenommen.

Da diese Macht auf einem System basiert, welches westlichen Vorstellungen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit völlig zuwiderläuft, muss China — ungeachtet aller lockenden Marktchancen — auch als Bedrohung gelten.

Doch die Erkenntnis reicht nicht. Was es bräuchte, wäre ein strategisches Konzept. Und vor allem: Geschlossenheit. Davon aber ist die Nato weit entfernt. Ihre Führungsmacht agiert immer wieder als der Feind im eigenen Bett.

„Solange die Nato ist, wie sie jetzt ist, hat Macrons Hirntod-Befund eine sehr reale Basis.“

Trump lässt keine Gelegenheit aus, um Verbündete vor den Kopf zu stoßen, anstatt mit ihnen akkordiert vorzugehen. Die Europäer wiederum haben noch immer nicht begriffen, dass die USA — mit oder ohne Trump — nicht mehr der Hauptfinancier ihres Schutzschirmes sein wollen.

Solange die Nato ist, wie sie jetzt ist, hat Macrons umstrittener Hirntod-Befund eine sehr reale Basis.

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