Auf den Spuren von Sisi …

Das Marmorschlössl wie damals

Der große Salon imMarmorschlössl Bad Ischl
Der große Salon imMarmorschlössl Bad Ischl © Michael Maritsch/OÖ Landes-Kultur GmbH

Wie mag sich Kaiserin Sisi wohl gefühlt haben, wenn sie sich in ihr Marmorschlössl im Park der Kaiservilla in Bad Ischl zurückgezogen hat? In welchem Salon hat sie sich am liebsten aufgehalten? Welchen Ausblick hat sie besonders gerne genossen?

Gedanken wie diese begleiten einen unweigerlich, wenn man das Marmorschlössl betritt und betrachtet. 1861 wurde es fertiggestellt, errichtet von k.u.k. Hofgärtner Franz Rauch.

„Wir glauben aber nicht ganz, dass er das entworfen hat. Es gab damals in England Musterbücher mit Cottages, entworfen von jungen Architekten. Möglicherweise wurde es so zusammengesetzt. Ich bin mir sicher, man findet es in einem dieser Kataloge“, meint Alfred Weidinger, Direktor der OÖ Landes-Kultur GmbH.

Und nun wird das Marmorschlössl im Zuge seiner neuen Ausrichtung weitgehend in seinen architektonischen Urzustand rückgeführt. Noch bevor die ersten Objekte für die Ausstellung „Dirndl. Tradition goes Fashion“ (19. Juni bis 31. Oktober) einziehen, hatten Vertreter der Presse gestern die Gelegenheit, das Juwel lichtdurchflutet und fast leer zu erleben — beinahe so wie damals.

Mühevollste Kleinarbeit

Sämtliche in den 1970er-Jahren vorgenommenen Einbauten wurden nun entnommen, Durchgänge geöffnet und so historische Sichtachsen sowie die ursprüngliche Raumgeometrie wiederhergestellt.

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Kachelöfen übersiedeln an ihre Ursprungsorte. Auch der Boden wird restauriert. Im kleinen Salon etwa werden rund vier Quadratmeter in mühevollster Kleinarbeit wieder auf Hochglanz gebracht.

„Hier war eine Installation, der Boden darunter erstickt“, so Weidinger. Mitarbeiter Gerhard Schwärzler setzt dieses „Mosaik“ mit geschätzt 5000 Teilen seit einem halben Jahr in Stand.

In den Siebzigern wurde auch der historische Putz entfernt. Aber es konnten noch Farbreste gefunden werden. Es handelt sich um zarte Grün- und Blautöne. Auch die roten Baumwollstoffe an den Salonwänden entsprechen nicht den Ursprüngen. „Die waren aus Seide. Wir hoffen, dass wir noch ursprüngliche Stoffreste finden“, erwartet Weidinger Entdeckungen unter den Holzverkleidungen.

Insgesamt verschwimmen nun das Innen und das Außen. Besonders schön ist der Anblick des Springbrunnens, der wieder von der Terrasse aus durch das ganze Haus hindurch möglich ist.

„Wir haben keine historischen Baupläne, in jedem Archiv fehlen genau diese Unterlagen“, so Weidinger. Auch Innenraumfotos sind kaum auszumachen. Das älteste stammt aus der Zeit, als die Wiener Molkerei hier ein Milch- und das Kaffeehaus betrieb (um 1926).

Im Juni halten dann die Dirndl Einzug. Ausgestellt werden 45 bekleidete Figurinen, die extra aus Rom von Bonaveri angeliefert werden. Gezeigt werden u. a. historische Dirndl, das älteste aus 1835, und 37 Stücke der englischen Modedesignerin Vivienne Westwood, die sogar ihr persönliches Dirndl, geschaffen von ihrem Gatten, dem Tiroler Andreas Kronthaler, verleiht. Das Paar wurde übrigens eingeladen. Vielleicht also bewundert auch die internationale Modeikone bald das Marmorschlössl …

Von Astrid Braun

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