Auf die Länge kommt es an

Echte Kerle, laute Motoren, Ford vs. Ferrari: „Le Mans 66“ im Kino

Zwei Männer, ein Motor: Christian Bale und Matt Damon
Zwei Männer, ein Motor: Christian Bale und Matt Damon © Centfox

Von Mariella Moshammer

Irgendwie ist das wirklich alles wahnsinnig cool. Die Sonnenbrillen, die Gesichtsausdrücke, die Motorengeräusche, die grandios auf die Leinwand gebrachte Geschwindigkeit der Flitzer. Regisseur James Mangold („Walk the Line“) verbannt alles, was so in Sachen Autos en vogue ist von der Leinwand — selbstfahrend, umweltschonend, kompakt … Aber dies auch völlig zu Recht, spielt die Geschichte, die er erzählt, doch in den 1960ern in den USA. Da gab es wohl noch nicht einmal einen Gedanken an E-Mobilität. Im Gegenteil: Es sollte schneller, lauter, cooler sein als das, was in den faden 50ern so los war in den USA. Ford hatte da mit seinem Image ein Problem und wollte es u.a. mit einem Kauf von Ferrari aufpolieren. Die hatten keinen Mangel beim Coolnessfaktor. Aber der alte Enzo schickte die spießigen Amis mit ein paar deftigen Schimpfworten nach Hause. Das schrie nach Rache und die wollte sich Ford auf der bedeutenden Rennstrecke von Le Mans holen. Anders als der legendäre Film„Le Mans“ mit Steve McQueen aus dem Jahr 1971 beruht Mangolds „Le Mans 66“ auf dieser wahren Geschichte und erzählt sie ganz konventionell mit beeindruckenden Rennszenen und Matt Damon als Ex-Rennfahrer und Autokonstrukteur Carroll Shelby und Christian Bale als zähen und unkontrollierten Fahrer Ken Miles. Die beiden sollen Ford zum Erfolg verhelfen.

Natürlich hat Pathos und auch Kitsch bei so einer Story seinen Platz, viele Szenen sind auch neben dem vielleicht bekannten Ausgang des Rennens recht vorhersehbar. Nichtsdestotrotz fesselt die Geschichte, die Darsteller schaffen es, ihre Figuren gleichzeitig zu Archetypen, echten Kerlen als auch einnehmenden Charakteren werden zu lassen. Einzig die weibliche Figur, ja de facto ist Kens Frau Mollie (Caitrona Balfe) die einzige weibliche Figur in dem Film, wirkt zwischen hysterischer Hausfrau und abgeklärter Partnerin völlig unentschlossen.

152 Minuten sind ohne Umschweife aber einfach viel zu lange für diesen Stoff. Mangold erzählt jedes Detail aus, gibt der „Vorgeschichte“immens viel Platz, so dass es erst nach 90 Minuten Richtung Frankreich geht. So sehr der Charme des Films auch in den „altmodischen“Bildern liegt, so sehr hätte ihm ein rasanter Schnitt und der Verzicht auf redundante Szenen gut getan.

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