Auf Johnson hagelt es Kritik

Nach Schottland lehnen auch Wales und Irland seinen Brexit-Plan ab

Nachdem er sich am Montag, wie berichtet, bei der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon eine Abfuhr geholt hatte, ging es dem neuen britischen Premier am Montag auch bei seinem Antrittsbesuch in Wales nicht besser.

Der regionale Regierungschef Mark Drakeford (Labour) kritisierte den Premierminister scharf: „Keine Anerkennung, dass Lebensgrundlagen in Gefahr sind. Keine ernsthaften Antworten. Kein Plan für die Bauern von Wales.“

Wales hängt am EU-Tropf

Dabei hatte Johnson den Bauern von Wales das Gelbe vom Ei versprochen. „Wenn wir die EU am 31. Oktober verlassen, werden wir die historische Chance haben, neue Maßnahmen zur Unterstützung der Landwirtschaft einzuführen — und wir werden sicherstellen, dass die Bauern einen besseren Deal bekommen“, so Johnson.

Der südwestliche Landesteil ist stark von EU-Fördermitteln abhängig. Zuletzt kamen rund 80 Prozent der bäuerlichen Einkünfte dort aus EU-Töpfen.

Bereits am Tag zuvor war Johnson bei seinem ersten Besuch als Premier in Schottland ein scharfer Wind entgegengeweht: Regionalregierungschefin Sturgeon sagte, dass er das Land mit seinem radikalen Brexit-Kurs in eine „Katastrophe“ treibe.

Auch beim irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar holte sich Johnson am Montag eine Abfuhr. Varadkar habe ihm in einem Telefonat am Dienstag erklärt, die EU sei sich darin einig, dass das mit Johnsons Vorgängerin Theresa May verhandelte Austrittsabkommen nicht wieder aufgeschnürt werde, teilte die Regierung in Dublin mit.

Besuchsboykott

Nach einem Bericht der Zeitung Guardian will Johnson vorerst keine Gespräche mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron führen. Er sei dazu nur unter der Bedingung bereit, dass die EU den Brexit-Deal nachverhandelt. Merkel und Macron hatten Johnson nach Berlin bzw. Paris eingeladen.

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