Auf Schienen in die Hölle

Moviemento zeigt preisgekrönte Doku „Surviving Gusen“

Auf den Schienen der Summerauerbahn verkehrten Deportationszüge nach Gusen.
Auf den Schienen der Summerauerbahn verkehrten Deportationszüge nach Gusen. © Bright Films

Auf Schienen geht es durch eine Winterlandschaft von heute. Oder via Drohne oben drüber. Die Menschen, die auf der Strecke der Summerauerbahn zusammengepfercht in Waggons ohne Dach hier einst einem furchtbaren Ende im KZ Gusen entgegenfuhren, litten unter diversen Qualen. Viele überlebten die Deportation nicht.

Die Linzer Filmemacher Gerald Harringer und Johannes Pröll zeigen in ihrer Doku „Surviving Gusen“ nicht nur die grausamen Bedingungen der Deportation und im KZ auf, sie porträtieren auch drei KZ-Überlebende und legen Schienen ins Heute.

Maria Hofstätter und Peter Simonischek treffen als Sprecher den richtigen Ton, wenn sie aus Berichten von Überlebenden und Polizeiprotokollen lesen. 35.000 Menschen ließen durch die Arbeit am und im Stollensystem „Bergkristall“ in Gusen ihr Leben. Die Geschichte spaltet die Einheimischen in Gusen heute: Viele wollen nichts mehr davon wissen, andere äußern sich ganz offen.

Harringer und Pröll rücken die Wege dreier ehemaliger KZ-Insassen in den Fokus — auch nach dem KZ. Ein Hoffnungsschimmer und eine Notwendigkeit: Jetzt, da diese Stimmen nach und nach verstummen, ist es umso wichtiger, sie noch einzufangen und festzuhalten.

Nüchterne Fakten, persönliche Schilderungen und eine reduzierte Bildebene mit Aufnahmen, die ins Heute holen, ergeben einen umfassenden Eindruck, der den Betrachter mit dem Gefühl zurücklässt, dass das auch mit unserer Gegenwart etwas zu tun hat und nie wieder passieren darf.

Der Film wurde als Eröffnungsfilm von Crossing Europe gezeigt, erhielt den Publikumspreis beim Festival „Der neue Heimatfilm“ und ist am 23., 25. und am 27. Oktober im Linzer Moviemento zu sehen.

Von Melanie Wagenhofer

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