Aufständische in Tigray weisen Regierungs-Ultimatum zurück

Die Anführer der Aufständischen in der abtrünnigen äthiopischen Region Tigray haben ein Ultimatum der Zentralregierung zurückgewiesen. Die Menschen der Region seien für die Verteidigung ihrer Heimat „bereit zu sterben“, sagte Debretsion Gebremichael, Chef der in Tigray Volksbefreiungsfront TPLF der Nachrichtenagentur AFP. Eine Bande aus jugendlichen Tigrayern soll zudem nach Angaben von staatsnahen Menschenrechtlern bei einem Massaker mindestens 600 Zivilisten getötet haben.

Der Vorfall ereignete sich demnach bereits am 9. November in Mai Kadra, wie die von der Regierung besetzte Äthiopische Menschenrechtskommission am Dienstag mitteilte. Die Bande soll mit Hilfe örtlicher Sicherheitskräfte gehandelt haben.

Das Massaker sei gezielt an Menschen verübt worden, die nicht zum Stamm der Tigrayer gehörten. Reuters konnte die Angaben zunächst nicht überprüfen, da die Telekommunikationswege in die Region Tigray weitgehend abgeschnitten sind.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) forderte einen sofortigen Waffenstillstand. „Eine gewaltsame Besetzung der Stadt durch Äthiopiens Armee käme einer vom humanitären Völkerrecht verbotenen kollektiven Bestrafung der Zivilbevölkerung gleich; auch Tigrays Regionalregierung begeht Kriegsverbrechen, wenn sie die Zivilbevölkerung am Verlassen der belagerten Stadt hindert“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius.

SOS-Kinderdorf warnt vor einer humanitärer Katastrophe. Besonders für Kinder sei die Situation bedrohlich. Schon vor dem Konflikt sei die Zahl mangelernährter Kinder aufgrund einer massiven Heuschreckenplage um ein Drittel gestiegen. Jetzt sei eine weitere Eskalation zu befürchten. Dazu komme die Gefahr durch das Coronavirus. Seit 2013 unterstützt SOS-Kinderdorf Österreich gemeinsam mit der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ÖEZA) Kinder und ihre Familien in der Region rund um Mekelle.

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Der UNO-Sicherheitsrat beendete ein erstes Treffen zu den Kämpfen in der äthiopischen Region ohne eine gemeinsame Erklärung. Südafrika habe um mehr Zeit für die Bemühungen der Afrikanischen Union gebeten und „eine Erklärung könnte die Situation komplizierter machen“, sagte ein afrikanischer UNO-Diplomat. UNO-Sprecher Stéphane Dujarric betonte, dass die Afrikanische Union an erster Stelle der internationalen Bemühungen stehe und der UNO-Generalsekretär diesen Ansatz unterstütze.

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