Aufstand gegen den Heiligen Vater

US-Kardinal Burke betrachtet Rücktrittsaufforderung an den Papst als legitim

Vatikanisches Kesseltreiben: Kardinal Burke (l.) hält die beispiellose Rücktrittsaufforderung gegen Papst Franziskus für legitim.
Vatikanisches Kesseltreiben: Kardinal Burke (l.) hält die beispiellose Rücktrittsaufforderung gegen Papst Franziskus für legitim. © AFP/Pizzoli

Im Vatikan erreicht das Kesseltreiben gegen Papst Franziskus einen neuen Höhepunkt. Der US-Kardinal Raymond Burke bezeichnete gestern eine Rücktrittsforderung gegen den Heiligen Vater grundsätzlich als legitim an. „Jeder kann sie gegenüber jedem Oberhirten stellen, der sich in der Ausübung seines Amtes schwerwiegend verfehlt, aber die Fakten müssen geprüft werden“, sagte Burke der italienischen Zeitung La Repubblica. Im Blick auf Franziskus könne er allerdings nicht sagen, ob dieser Fehler begangen habe.

Der frühere Vatikanbotschafter Erzbischof Carlo Maria Vigano hatte, wie berichtet, den Papst wegen angeblicher Versäumnisse im Umgang mit einem ranghohen homosexuellen Geistlichen zum Amtsverzicht aufgefordert. In einem Memorandum schreibt Vigano, er habe Franziskus bereits in einem Gespräch im Juni 2013 gesagt, der pensionierte Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick habe „Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben“. Auch behauptet Vigano, Papst Benedikt XVI. habe McCarrick deswegen 2009 oder 2010 mit Sanktionen belegt, die Franziskus aufgehoben habe. Erwiesen ist das nicht. Franziskus wollte sich bislang nicht zu dem Schreiben äußern.

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Kardinal Burke nannte es ein „Problem“, dass manche Kirchenmänner eine „offene und verfehlte Haltung hinsichtlich der Homosexualität“ vertreten würden. Es gebe „Versuche, die Lehre der Kirche zu relativieren, nach der ein homosexueller Akt in sich schlecht ist“.