„Auftakt in EM-Quali ist richtungsweisend“

ÖFB-Boss Leo Windtner will zur Fußball-EM und weiß um die Wichtigkeit der ersten Spiele

Der Auftakt der EM-Qualifikation steht unmittelbar vor der Tür. Was sind Ihre Erwartungen, wie lautet die Zielsetzung?

Das ist ganz klar, wir wollen 2020 dabei sein.

Wie schätzen Sie die Chancen dafür ein?

Die sind sicher durchaus intakt. Natürlich ist Polen der Gruppenfavorit, deshalb ist der Auftakt mit den Spielen am Donnerstag gegen Polen und am Sonntag in Israel gleich richtungsweisend für die gesamte Qualifikation. Top-Resultate in diesen beiden Spielen würden uns einen gewaltigen Rückenwind für den weiteren Verlauf geben.

Warum ist Polen der Gruppenfavorit?

Polen verfügt auf der einen Seite über eine große Reihe an Legionären, die in allen Top-Ligen Europas spielen und wenn man sich alleine die Stürmerreihe um Robert Lewandowski ansieht, dann ist das eine mehr als prominente Besetzung. Daher ist Polen der stärkste Konkurrent.

„Werden Emotionalitäten in Israel zurückstellen“

Vier Tage später wartet dann schon das Auswärtsspiel gegen Israel. Ein Spiel mit einer ganz besonderen Komponente, kommt es doch zum Duell mit Andreas Herzog und Willi Ruttensteiner. Wie blicken Sie dieser besonderen Konstellation entgegen?

Ich kann nur betonen, dass wir diesen personellen Hintergrund komplett ausblenden werden, dass wir alle Emotionalitäten zurückstellen werden und dass wir uns voll und ganz auf dieses Match in Haifa konzentrieren werden, denn auch die Vergangenheit hat es schon gezeigt, dass es in Israel nicht leicht ist.

„Die Arbeit von Franco Foda ist vorbildlich“

Als weitere Gruppengegner warten auch Slowenien, Nordmazedonien und Lettland. Wie lautet Ihre Einschätzung?

Ganz wichtig ist, dass man diese Underdogs auf keinen Fall unterschätzen darf. Nordmazedonien zum Beispiel hat auch einige gute Legionäre und hat sich in den letzten Jahren als sehr zäher Gegner für Favoriten erwiesen. Auch die Matches in Slowenien oder zum Abschluss in Lettland sind alles andere als ein Spaziergang. Das sind Nationen, die für Überraschungen gut sind.

Nach knapp eineinhalb Jahren, wie beurteilen Sie die Arbeit von Teamchef Franco Foda? Er hat ja sensationell begonnen, dann gab es aber einen kleinen Einbruch.

Ich kann immer wieder nur betonen, dass man im Sport keine Resultate, sondern nur eine gute Arbeit und Vorbereitung garantieren kann und das ist bei uns gewährleistet. Ich kann die Arbeit von Franco Foda und seinem Team nur als höchst professionell und vorbildlich herausstellen. Hier wird mit einem Fleiß und einer Konsequenz den Dingen nachgegangen, wie wir das im ÖFB noch kaum hatten.

„Entscheidung gegen den Sport, die uns weh tut“

Einen Rückschlag gab in der Causa Barnes, seine Einbürgerung wurde abgelehnt. Das schmerzt gerade jetzt mit den Ausfällen von Burgstaller und Gregoritsch besonders, oder?

Ja, das war eine Enttäuschung, weil uns vom Sportministerium permanent versichert wurde, dass es klar gehen würde. Wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass das Innenministerium aber anders entschieden hat. Das ist eine Entscheidung gegen den Sport und tut uns weh.

Gibt es in dieser Causa noch weitere Bemühungen?

Das Kapitel ist für uns geschlossen.

Thema Nationalstadion, wie ist der Stand der Dinge?

Wir sind derzeit in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt Wien. Ich erwarte, dass wir in den nächsten Monaten zu einer grundsätzlichen Entscheidung gelangen.

Neben der EM-Qualifikation wartet auf den ÖFB heuer mit der erstmaligen Teilnahme an der U21-EM-Endrunde ja noch ein weiteres Highlight?

Diese Premiere ist nicht nur ein echtes Highlight, bei dem es in der Gruppenphase auch noch in Udine zum Duell mit Deutschland kommt, sondern bietet auch die Chance zur Olympia-Qualifikation, wofür der Einzug ins Halbfinale notwendig ist.

„Gefahr der Übersättigung ist latent gegeben“

Ein Blick auf die internationalen Ereignisse. Geht es nach dem Weltverband FIFA, soll schon die WM 2022 in Katar mit 48 statt 32 Mannschaften gespielt werden. Ihre Meinung dazu?

Ich konnte erst unlängst ein sehr interessantes Gespräch mit dem Emir von Katar führen, der sich diesbezüglich sehr skeptisch zeigte. Vor allem aufgrund der politischen Situation in der Region. So verlockend es grundsätzlich auch wäre, wenn es mehr Startplätze und damit mehr Chancen für kleinere Nationen geben würde, sollte man beim ursprünglichen Plan bleiben. Ich glaube, dass man das Experiment der Aufstockung wie geplant mit der Endrunde 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gut vorbereitet und wohl durchdacht angehen sollte.

Die Gigantomanie kennt derzeit im Fußball ja keine Grenzen, auch die Klub-WM dürfte auf 24 Teams aufgestockt werden. Besteht damit nicht die Gefahr einer Übersättigung?

Die Gefahr ist latent gegeben, weil die TV-Präsenz mittlerweile so groß ist, dass das Interesse auch einmal abnehmen könnte.

„Modus der Bundesliga hat sich bewährt“

Zur heimischen Bundesliga, der neue Modus mit der Einführung der Meister- und einer Qualifikationsgruppe birgt zusätzliche Spannung und hat sich demnach bewährt, oder?

Gerade die letzten Runden sind der Beleg dafür, dass diese Reform durchaus positiv eingeschlagen hat und für Spannungsmomente sorgt, die man mit dem bisherigen, konventionellen Ablauf der Meisterschaft nicht hätte erzielen können. Zudem entwickelt sich auch die viel diskutierte Zweite Liga positiv.

Ein Aufreger-Thema ist derzeit auch immer wieder die verstärkte Abwanderung des Fußballs ins Pay-TV. Nun gibt es politische Ambitionen, dies einzuschränken. Wie stehen Sie diesen Plänen gegenüber?

Regulatorische Eingriffe werden nicht einfach sein, weil damit der Marktwert der Rechte gesenkt wird. Grundsätzlich ist es aber wünschenswert für Fans und auch Sponsoren, dass ein gewisser Teil im Free-TV stattfindet, denn der Fußball muss aufpassen, dass er sich nicht zu weit von seiner breiten Basis entfernt.