Auftraggeber des Kuciak-Mordes in Slowakei beschuldigt

Den Mord am slowakischen Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova vor über einem Jahr soll der kontroverse Geschäftsmann Marian K. in Auftrag gegeben haben. Das teilte die für schwere Kriminaldelikte zuständige Spezial-Staatsanwaltschaft der Slowakei am Donnerstag in Bratislava mit.

Wie der zuständige Spezialstaatsanwalt, dessen Name nicht veröffentlicht wurde, bekannt gab, wurde der Geschäftsmann bereits als Auftraggeber der Tat offiziell beschuldigt. In der Slowakei ist dies in einem laufenden Strafverfahren der letzte Schritt vor einer definitiven Anklage. Der entsprechende Beschluss werde dem prominenten Geschäftsmann noch im Laufe des Tages zugestellt, hieß es.

“Grund für den Mord war die journalistische Arbeit des Opfers,” erklärte der Staatsanwalt. Die Ermittler seien anhand “objektiver Beweise” zu dieser Schlussfolgerung gelangt, die man derzeit aber nicht öffentlich konkretisieren könne. Marian K. ist seit Sommer des vergangenen Jahres in Untersuchungshaft in einem nicht zusammenhängenden anderen Fall, er steht unter Verdacht, Wechselbetrug in Millionenhöhe begangen zu haben.

Der brutale Doppelmord an Kuciak und Kusnirova am 21. Februar letzten Jahres hatte die Slowakei in eine tiefe politische und gesellschaftliche Krise gestürzt. Der Aufdeckreporter des Nachrichtenportals aktuality.sk hatte über Mafia-Verflechtungen bis zu höchsten Ebenen slowakischer Regierungskreise recherchiert.

Der Mord und die postum veröffentlichten Enthüllungen des Journalisten hatten Massenproteste ausgelöst, die bis zum Rücktritt des dreimaligen Premiers Robert Fico, seines Innenministers Robert Kalinak und schließlich auch des Polizeipräsidenten Tibor Gaspar führten. Alle drei wurden als verantwortlich dafür gesehen, dass gegen Mafia-Praktiken im Staat jahrelang nicht ermittelt wurde. Nach dem Sturz von Fico wurde im März des vergangenen Jahres ein Nachfolgekabinett unter dem Sozialdemokraten Peter Pellegrini ernannt.