Aufwendige Inszenierung der “Zauberflöte” in St. Margarethen

Eine neue Ära ist – nach einem Jahr Pause – im burgenländischen St. Margarethen bei der “Oper im Steinbruch” unter der künstlerischen Leitung von Daniel Serafin angebrochen. Am Mittwochabend hat die Premiere von Mozarts “Die Zauberflöte” in einer aufwendigen Inszenierung von Carolin Pienkos und Cornelius Obonya durchaus ambivalente Eindrücke hinterlassen.

Ein wenig nervös war der Intendant begreiflicherweise bei seiner Begrüßung, denn nicht nur die Premiere an sich, sondern auch deren Übertragung durch den ORF brachten den Ablauf unter Zeitdruck. Doch vom Timing her ging alles gut, und nach drei Stunden konnten die Mitwirkenden unter telegenem Feuerwerk den etwas durchfrorenen Schlussapplaus entgegennehmen.

Pienkos und Obonya haben Mozarts “große Oper” als Pionierwerk der Emanzipation, der Gleichberechtigung und der Menschenrechte zu interpretieren versucht. Das ist ebenso ehrenhaft wie problematisch. Natürlich stand bei Mozart der klassische Humanitätsbegriff Pate, nicht jedoch die Correctness heutigen Verständnisses. Ein wenig scheint diese Kluft bewusst gewesen zu sein, nicht umsonst sagt Papageno: “Das ist ja keine Oper im Steinbruch, das ist ein Krippenspiel in der Wüste.” Womit er nicht ganz unrecht hat.

“Wüste” mag zwar übertrieben sein als Charakterisierung des Bühnenbilds, aber die samt Stairway als Blickfang fungierende riesige Skulptur aus weißen Kugeln erinnert zunächst eklatant an wabernde Schaumblasen einer Waschmittelwerbung. Im Verlauf des Abends erweist sich jedoch die Wandlungsfähigkeit durch effektvolle Projektionen. Durchwegs ästhetisch gelungen sind die Kostüme, originell die drei versilberten Knaben, die mit dem Speer in der Hand per Segway durch die Gegend kurven.

Max Simonischek als Papageno ist eine sympathische Besetzung, wird denn diese Rolle sichtlich in die Nähe des Altwiener Volksstücks und des Coupletgesangs gerückt. Sein stimmliches Manko überspielt Simonischek mit schauspielerischem Können, er verkörpert keine Opernpartie, sondern einen volkstümlich-zeitgemäßen Typus, wenngleich mit übertrieben teutonischem Einschlag, als wär er der Moderator einer mediokren piefkinesischen Unterhaltungsshow. Schade drum.

Musikalisch befindet man sich auf der Habenseite. Das Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft unter Karsten Jarnuschke und der Philharmonia Chor Wien agieren verlässlich, Danae Kontora als treffsichere Königin der Nacht, Attilio Glaser als seriöser Tamino, Ana Maria Labin als Pamina, Theresa Dax als Papagena und Luke Stoker als Sarastro ergeben ein gutes Ensemble. Etwas befremdlich wirken die gelegentlich eingespielten Soundscapes als Untermalung der Dialoge.

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