Aus dem Land der grenzenlosen Unmöglichkeiten

Premiere Tribüne Linz: „Von Mäusen und Menschen“ nach John Steinbeck

Tribüne Linz: „Von Mäusen und Menschen“
Tribüne Linz: „Von Mäusen und Menschen“ © Reinhard Winkle

Von Eva Hammer

Jeder hat seinen amerikanischen Traum, sei es vom eigenen Stück Land oder vom großen Ruhm. Im Kern geht es für alle um Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Anerkennung. John Steinbecks (1902-1968) Antithese zum erfolgreichen amerikanischen Way of Life im Land der unbegrenzten Möglichkeiten feierte in der Tribüne Linz Premiere: „Von Mäusen und Menschen“, als Theaterstück nach der Novelle.

Am geradlinigsten ist der geistig zurückgebliebene Lennie. Er möchte bloß streicheln, hat Sehnsucht nach Körperwärme, will weiche Haare spüren. Das holt er sich bei Mäusen oder seinem Hündchen, von Kaninchen träumt er. Im Weg steht ihm sein gewaltig starker Körper. Alles, was er so lieb hat, tut bei seinen Berührungen „tot gehen“. Alle Mäuse, seinen kleinen Hund und schließlich auch ein Mädchen erdrückt er mit seinen Zärtlichkeiten.

Wandlungsfähige Akteure

Zurück zum amerikanischen Traum: Als einsame Wanderarbeiter ziehen harte Kerle durchs Land. Der karge Lohn mündet in Whiskey und Bordellen. Jeder Zukunftstraum daher zum Scheitern verurteilt. Anders bei George und Lennie. George sorgt für seinen geistig behinderten Freund, verteidigt ihn, beschützt ihn, umsorgt ihn. Er spart wirklich Geld für ein künftiges Leben auf einer eigenen Farm. Wie ein Märchen erzählt er die Wunschfantasie immer wieder seinem Gefährten, bis er schließlich selbst daran glaubt, so wie Lennie an seine Kaninchen. Oft und oft hat George seinem Freund eingedrillt, dass er weglaufen müsse, wenn das Flittchen des Farmbesitzers sich ihm nähere. Die aber, als sie ihn alleine erwischt, provoziert ihn so lange, bis er sie streichelt … Bevor die Farmer Lennie lynchen, zieht George seine Konsequenzen.

Intendantin, Regisseurin und Dramaturgin Cornelia Metschitzer musste aus Finanzgründen ihr Ensemble auf drei Darsteller reduzieren, eine sparsame Bühne war schon immer ihr Markenzeichen, die Lehre von der Vorstellungskraft hat sie studiert. Am wandlungsfähigsten und in jeder Rolle überzeugend ist Paula Kühn, ob als Mann oder Frau, alt oder jung. Hut ab vor Alexander Lughofers Persönlichkeitsstudie. Bis ins letzte Detail macht er als Lennie deutlich, was etwa „Fingerspitzen-Gefühl“ noch bedeuten kann. Rudi Mühllehner ist auch in der Rolle des George ein großartiger Schauspieler.

Wer tiefer schürfen möchte, möge über die Gefahr des Mitleids oder das Böse der Unschuld grübeln, Potenzial und Anregung gibt es genug. Emotional kein Entkommen gibt es bei der Story aus dem Land der grenzenlosen Unmöglichkeiten. Sehr langer Applaus!

Weitere Termine, 19.30 Uhr: 24., 28. 1.; 2., 8., 13., 28. 2.; 12., 22. 3.; 17 Uhr: 20. 1.; 9.30 Uhr: 5. 3.;