Aus den Slums auf die große Leinwand

Die kenianischen Künstler Adam Masava Onyango und Brian Kimani Mwangi im Linzer Hafen

Adam Masava Onyango und Brian Kimani Mwangi aus Kenia sind zu Gast in Oberösterreich und haben gestern am Mural Harbor in Linz ein 7×5 Meter großes Wandbild gemalt. Ursprünglich stammen die beiden aus Nairobi in Kenia. Aufgewachsen in Slums, wissen die Künstler, was es heißt, unter armen Verhältnissen zu leben. Während Adams Volksschulzeit kam er zum ersten Mal mit Kunst in Berührung.

Junges Talent

1994, als er gerade mal zehn Jahre alt war, gewann er einen Kunstwettbewerb von UNICEF, der an seiner Schule veranstaltet wurde. Hier kommt der Bildungsreferent der Dreikönigsaktion in Linz, Luggi Frauenberger, ins Spiel. Adam Masava Onyangos Volksschule, die MPC-St. Bakhita Primary School, wird von der Dreikönigsaktion unterstützt, und so wurden die beiden aufeinander aufmerksam und lernten sich 2008 persönlich kennen. Jahrelang hatten sie keinen Kontakt, doch als Luggi Frauenberger in Adams Heimat auf Urlaub war, trafen sie durch Zufall wieder aufeinander. Der Bildungsreferent war begeistert von Adams Willenskraft und Stärke, als der Künstler ihm eine Führung durch den Ort gab, an dem er seine Kindheit verbracht hatte. Frauenberger begleitet die Künstler beim Malen ihres Kunstwerkes und lässt sie während ihres Linzaufenthaltes bei sich wohnen.

Das Kennenlernen anderer Kulturen steht im Mittelpunkt der Aktion, Kenia ist eines der Partnerländer, die seit Jahren dabei sind.

„Mukuru Youth Arts & Crafts“, so heißt ein weiteres Projekt der Dreikönigsaktion, bei dem Masava seine Malkünste fünf Jahre lang perfektionierte und sich danach dazu entschied, ein eigenes Künstlerkollektiv zu gründen. Heute sind es insgesamt 40 Künstlerinnen und Künstler, die bei „Mukuru Art Collective“ dabei sind (instagram:mukuruartcollective). Die Neulinge der Kunstwelt bekommen dort die nötige Unterstützung, um selbst Ausstellungen zu organisieren und sich somit am Kunstmarkt einen Namen machen zu können.

2013 schaffte es Adam, zum Künstler des Jahres in Kenia ernannt zu werden, und 2016 folgte die Auszeichnung zum vielversprechendsten Jugend-Künstler.

Tour durch Europa

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Brian Kimani Mwangi war sein Schüler, heute touren die beiden gemeinsam durch andere Länder, um Kindern etwas von ihrem Können mit auf den Weg zu geben. Themen wie Drogenmissbrauch, Kriminalität und Friedensarbeit lassen sich in ihrer Kunst wiederfinden. Seit 2019 ist Brian in seinem Kollektiv dabei und heuer das erste Mal mit auf Europa-Tour, unter anderem in Österreich und der Slowakei. Auf der sogenannten „Pinsel-Safari“ besuchen Adam und Brian die verschiedensten Schulklassen, Jungscharlager und Ministrantengruppen. Die beiden bringen den Kindern das Leben in ihrer Heimat und das Handwerk hinter ihrer Kunst näher.

Auch in ihrer Heimatstadt Nairobi bieten die Künstler drei Mal jährlich Kurse für Kinder an, wo diese kostenlosen Malunterricht erhalten.

Das gestern entstandene Kunstwerk zeigt einen Mann

auf einem Fahrrad, hinten auf seinem Gepäckträger sitzt ein Kleinkind. Rundherum befinden sich Sprechblasen mit Fragen, die Reisenden aus fernen Ländern oft gestellt werden, wenn sie in ein anderes Land einreisen möchten. Die Kenianer wollen damit ein Thema ansprechen, womit sie tagtäglich konfrontiert sind: Sie werden oft anders behandelt als Europäer, die es unter anderem leichter haben, andere Kontinente zu besuchen und dort einen Aufenthalt zu bekommen. Den Platz direkt am Wasser des Linzer Hafens haben die beiden selbst ausgewählt.

Das eindrucksvolle Mural Harbour-Gelände am Linzer Hafen lässt sich bei einer Tour erkunden (muralharbor.at). Näheres zu den Ausnahmetalenten gibt es unter Instagram: adammasava und bruh_yoh_kimani bezwiehungsweise auf Youtube unter Adam Masava Studio.

Von Elisa Knechtel

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