Aus der Fankurve: So erlebte ich den LASK-Triumph

Die LASK-Fans feiern den Triumph über Basel. © Foto: APA/EXPA-Eisenbauer

Ein Abend für die Geschichtsbücher

Von Philipp Bammer

Es war ein besonderer Tag in Linz, der 13. August 2019. Ein historischer Fußballabend kündigte sich an, ein viel zu seltenes Ereignis auf der an Topspielen armen Gugl. Schon in den packend vollen Öffis rund ums Stadion war offensichtlich, dass kein normales Bundesligaspiel anstand. Zum Großteil in Schwarz-Weiß gekleidet, strömten die 14.000 Besucher in die Arena. Das nasskalte Wetter sollte an diesem Abend zur Randnotiz verkommen. Im Stadion heizte vor Spielbeginn die Trachtenmusikkapelle Grünburg unter anderem mit der oberösterreichischen Landeshymne ein. Der patriotische Geist der Zuschauer wurde mit dem harmonischen Stück erweckt. Plötzlich findet die Harmonie ein jähes Ende: Die Klänge der Musikkapelle und des Stadion-DJ´s ergeben zusammen einen grausamen Mix. Doch diese unerträgliche Musikverschmelzung sollte das einzig Unrunde an diesem Abend bleiben. „Steht auf, wenn ihr LASKler seid“, hallt es schon vorm Einlauf der Mannschaften durchs Stadion. Die sichtlich euphorisierten Fans folgen dem Aufruf des LASK-Fansektors. Nicht die letzten stehenden Ovationen an diesem Abend, sollte sich zeigen.

„Niemand kann uns stoppen“

Die Hardcore-Unterstützer unterstrichen zudem die selbstbewusste Herangehensweise: „Niemand kann uns stoppen“, war auf einem Banner zu lesen und es war offensichtlich berechtigtes Selbstvertrauen und keine arrogante Selbstüberschätzung. Die Nerven der LASK-Fans wurden schon kurz nach Spielbeginn auf eine harte Probe gestellt: „Das gibt es ja nicht“, ist ein Zuschauer fassungslos, als Joao Klauss in der fünften Minute eine Riesenchance vergibt. „Geh, der pfeift ja alles“, äußert ein weiterer LASKler seinen Unmut, diesmal bezogen auf den Schiedsrichter, der aus Sicht der Schwarz-Weiß-Unterstützer zu viele angebliche LASK-Vergehen abpfiff. Doch es ist bekannt: Die Fanbrille ist die einzige Sehhilfe, die den Blick aufs Geschehen verschwimmen lässt.

Beinahe-Herzstillstand

Auf einmal wurde es ganz still im Stadion: Ein Kopfball von Basel-Stürmer Ademi geht an die Latte, kollektives Durchatmen bei den 14.000 Besuchern. Die Halbzeit rückt immer näher, Basel wird stärker und man spürt: Die Spieler und Fans des LASK wollen sich torlos in die Halbzeit retten. Das gelingt auch. So können die Fans beruhigt ihr kühles Bier vom Buffet holen gehen. Lange Schlangen vor den Kiosken, dichtes Gedränge und optimistische Gesichter prägen die Halbzeitpause. „Ich tippe auf 3:1“, sagt ein Anhänger nach 45 Minuten. Zu hoffen bleibt, dass der Besucher seine Aussage auch auf einen Wettschein übertragen hat. Denn in der 59.Minute, als gerade einmal alle Fans vom Buffet auf die Plätze zurückgekehrt sind, beginnt der LASK, die Arena zum Beben zu bringen.

Ekstase auf der Gugl

„LASK eins, Basel null“, brüllen Besucher und Stadionsprecher, als Ranftl den LASK mit einem abgefälschten Schuss in Führung bringt. Die Euphorie steigt zwar stetig, aber langsam. Zu präsent sind die Erinnerungen an das letztjährige Besiktas-Spiel, als der LASK kurz vor Schluss aus den Europacup-Träumen gerissen wurde. Und auch an diesem Abend kam noch einmal das große Zittern: Minute 80, Ausgleich für Basel. Das Stadion verstummt, die paar hundert mitgereisten Basler schöpfen wieder Hoffnung und setzen ihr Dauerhüpfen im Gästesektor mit frischer Energie fort. Neun Minuten später wird jedoch die Hoffnung zu Aggression: Thomas Goiginger schießt den LASK endgültig in die vierte Qualifikationsrunde der Champions League. Der Nachname des Salzburgers wird zum Schlachtruf: „Thomas GOIGINGER.“ Während das Goiginger-Tor zu Jubelstürmen auf dem Platz und Ekstase auf den Rängen führt, offenbaren einige Basler ihr Aggressionspotenzial. Ein paar Unbelehrbare wollen den „neutralen“ Sektor stürmen, das gelingt nicht. Die LASK-Fans stimmen in der Zwischenzeit „Oh, wie ist das schön“ an und verleihen damit einem denkwürdigen Abend den passenden Rahmen. „In diesen vier Minuten Nachspielzeit bleibt es noch laut im Stadion“, fordert der Stadionsprecher die Anhänger nochmals zur Unterstützung auf, als die letzten Minuten anbrechen und der Aufstieg so gut wie fix ist.

Da bleibt keiner mehr sitzen

Das 3:1 von Raguz in der 93. Minute ist Draufgabe. Alle liegen sich in den Armen. Die Spieler am Feld, jene auf der Ersatzbank, die Ballkinder, die Mitarbeiter des LASK. Der Abpfiff beendet das Spiel, aber nicht die Fußballparty in Linz. Die Protagonisten des heutigen Tages feiern mit ihren Fans, von den 14.000 Besuchern hat auch 10 Minuten nach Matchende gefühlt noch niemand das Gugl-Oval verlassen. Die ausgelassene Stimmung lädt zum Verweilen ein und das anstehende Duell mit Brügge lässt Vorfreude bei den Fans aufkommen. „Ihr seid die Geilsten“, ruft der Stadionsprecher den LASK-Unterstützern zu. Ein perfekter Abend mit einem angenehmen Nebeneffekt: Ein paar Kalorien haben die LASK-Sympathisanten auch verbrannt, denn wer nicht hüpfte, war ein Basler.

 

 

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