„Ausgeschulzt und weggekernt“

Beim Kampf um die Lufthoheit über die Stammtische spielte am Politischen Aschermittwoch in Bayern auch Österreich eine Rolle

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Auch ÖVP-Klubobmann August Wöginger (l.) und Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer (r.) gaben sich beim Politischen Aschermittwoch in Passau die „Antrittsrede“ des künftigen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söders.
Auch ÖVP-Klubobmann August Wöginger (l.) und Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer (r.) gaben sich beim Politischen Aschermittwoch in Passau die „Antrittsrede“ des künftigen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söders. © OÖVP

Hoch her ging es auch heuer wieder am Politischen Aschermttwoch in Bayern. Die meistbeachtete und bestbesuchte Veranstaltung liefert traditionell die CSU in Passau, wo Österreich nicht nur durch viele Gäste von der Schwesterpartei ÖVP, sondern ein österreichischer Politiker auch als Spottobjekt vertreten war. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erinnerte an die Hauptredner der SPD vor einem Jahr in Vilshofen: den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz und den damaligen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). „Klar ist nach nur einem Jahr: Es hat sich ausgeschulzt und weggekernt“, sagte Scheuer und gratulierte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zum Wahlsieg im Herbst.

Söders Feuertaufe

Hauptredner der CSU war dieses Mal nicht Partei- und Regierungschef Horst Seehofer, den ein grippaler Infekt außer Gefecht setzte, sondern sein designierte Nachfolger als Ministerpräsident: Markus Söder hielt quasi seine Antrittsstammtischrede. Die Unionsparteien forderte er auf, auch die Wähler der „demokratischen Rechten“ wieder stärker anzusprechen. „Es war ein Fehler, die demokratischen Wähler rechts von der Mitte zu lange den anderen zu überlassen“, sagte Söder mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD: „Wir müssen klar sagen: Die AfD ist eben keine Ersatz-Union, sie ist nicht bürgerlich.“

Neue Zeit auch Bayern

Unter den Gästen in Passau waren auch ÖVP-Klubobmann August Wöginger und OÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer, der im Gespräch mit Söder Parallelen zog: „So wie die neue Zeit mit Thomas Stelzer in Oberösterreich begonnen hat beginnt sie jetzt mit Markus Söder in Bayern.“

„GroKo“-Spalt in Vilshofen

Bei der SPD-Veranstaltung im niederbayerischen Vilshofen war die Große Koalition („GroKo“) zentrales Thema, beginnt doch in einer Woche die Mitgliederabstimmung über den mit der Union ausverhandelten Koalitionsvertrag. Der Vertrag sei gut und trage eine sozialdemokratische Handschrift, sagte der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz. Einige Jusos hielten dagegen „NoGroko“-Plakate hoch.

Die AfD, die den Aschermittwoch in Osterhofen mit FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky beging, streute Salz in die rote Wunde: Erst hätten die Sozialdemokraten gegen die Union gepöbelt, später hätten sie bei der eigenen Parteibasis für eine Koalition mit CDU/CSU gebettelt, sagte AfD-Chef Jörg Meuthen.

Grünen-Bundeschef Robert Habeck nahm in Landshut süffisant die CSU ins Visier: „Jetzt haben sie vielleicht ihr Ziel erreicht: ein Heimatministerium in Berlin. Und Horst Seehofer wird dahin abgeschoben. So fühlt es sich an, wenn man abgeschoben wird.“

FDP-Chef Christian Lindner rechnete in Dingolfing mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, die er für das Scheitern der Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen verantwortlich machte.