Ausnahme-Begegnung mit Beethoven

OÖ. Stiftskonzerte starteten mit Jahresregenten in ungewohnter Manier

Julian Rachlin und Johannes Piirto begeisterten
Julian Rachlin und Johannes Piirto begeisterten © OÖS/Alfred Atteneder

Mit einer Starbesetzung zum Auftakt der 47. Saison entschädigten die OÖ. Stiftskonzerte für die heuer durch die Coronakrise erzwungenen Einschränkungen.

Statt des üblicherweise ausgedehnt programmierten Sommerfestivals startete eine verknappte Ausgabe am Freitag zweimal mit einer „puren“Beethoven-Hommage, die das hochgradige Duo Julian Rachlin (Violine) und der finnische Pianist Johannes Piirto ausführte.

150 Besucher, in Abständen sitzend im Stiftssaal Kremsmünster, erlebten Aufführungen der Violinsonate Nr. 7 c-Moll op. 30/2 und der berühmten „Kreutzer-Sonate“ Nr. 9 A-Dur op. 47. Mit einer auf die Spitze getriebenen Virtuosität und einem feurigen Einsatz, als könnte man die akustisch belastenden Auswirkungen in dem nicht einmal halbvollen Raum überspielen.

Rachlin und Piirto konnten es, weil sie alle Voraussetzungen höchster Kunst eines gemeinsamen Spiels erfüllen. Und doch dauerte es ein wenig, bis sie sich langsam eine angepasste Gefühlswelt für die Umstände aufgebaut hatten. Die dynamisch äußerst bewegt ausgebreiteten Motive, Themen und ihre Variationen gipfelten letztlich in einem Klangwunder und ließen Beethoven auch in Bezug auf die Phrasierung einzigartig erleben.

Ein spannender Dialog der Steigerungen

Ein weites Feld an Kontrasten tat sich auf, drängte rhythmisch exzessiv vorwärts, um dann wieder entspannend in ein gefühlsbetontes Musizieren zu münden. Einen so spannenden Dialog der Steigerungen kann man selten erleben. Ja, es waren Ausnahme-Begegnungen mit Beethoven, absolut werkimmanent, speziell bei der mittleren Schaffensperiode des Meisters, der seine Zelte 1792 in Wien aufgeschlagen hatte und selbst eine neue Stilorientierung für sich entdeckte. In Wien entstand seine Sonate op. 47 im Jahr 1803, zunächst dem britischen Geiger Bridgetower zugeeignet, die Dedikation aber dann auf den „besseren“ Franzosen Rodolpho Kreutzer umgeschrieben.

Ein in mehrfacher Hinsicht unvergesslicher Abend sicher speziell für Piirto und sein sensationelles Stiftskonzertdebüt mit seinem Idealpartner auf einer Stradivari Rachlin.

War der Jubelschrei für sie noch so laut, war keine Zugabe zu erwarten, mussten sie doch das Konzert noch einmal spielen.

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