Außenseitersieg bei 69. Berlinale

Drama „Synonyme“ gewinnt den Goldenen Bären

Als beste Darsteller wurden die Chinesen Yong Mei und Wang Jingchun ausgezeichnet. Sie konnten als Ehepaar in „So Long, My Son“ überzeugen.Nach fast zwei Jahrzehnten tritt Dieter Kosslick (70) als Berlinale-Direktor zurück.Der Regisseur Nadav Lapid schafft mit dem Drama „Synonyme“ die Überraschung. Im Bild mit dem „Zeichen seines Sieges“ – dem Goldenen Bären.
Als beste Darsteller wurden die Chinesen Yong Mei und Wang Jingchun ausgezeichnet. Sie konnten als Ehepaar in „So Long, My Son“ überzeugen. © AFP/Andersen AFP/Macdougall APA/dpa/Kalaene

Der Goldene Bär der Filmfestspiele in Berlin geht an das Drama „Synonyme“. Regisseur Nadav Lapid erzählt darin die Geschichte eines Mannes, der in Paris seine israelischen Wurzeln hinter sich lassen möchte. Der Film ist angelehnt an Lapids eigene Biografie. Der Regisseur wurde 1975 in Tel Aviv geboren, zog nach seinem Militärdienst nach Paris und wieder zurück. Die französisch-israelisch-deutsche Koproduktion galt unter Kritikern nicht unbedingt als Favorit. „Synonyme“ sei ein Film, der vielleicht in Israel oder Frankreich als skandalös bezeichnet werden könne, sagte Lapid.

Diesmal konkurrierten 16 Filme um die wichtigsten Auszeichnungen der Berlinale. Es ist das erste Mal, dass ein Regisseur aus Israel den Goldenen Bären gewinnt. „Synonyme“ erzählt von Yoav, der seine Vergangenheit hinter sich lassen will. Er zieht nach Paris und lernt wie wild Französisch, weil er kein Hebräisch mehr sprechen will. Er sucht immer wieder nach neuen Wörtern – daran erinnert auch der Filmtitel „Synonyme“.

Den Großen Preis der Jury holte der französische Regisseur François Ozon mit „Gelobt sei Gott“ über Missbrauch in der katholischen Kirche. Als beste Darsteller wurden die Chinesen Yong Mei und Wang Jingchun ausgezeichnet. Sie spielen in „So Long, My Son“ ein Ehepaar, dessen Schicksal über 30 Jahre hinweg begleitet wird.

Auch österreichische Beiträge ausgezeichnet

Unter den Preisträgern der Nebenjurys befanden sich auch österreichische Beiträge: Der Beitrag des Wiener Filmemachers Nikolaus Geyrhalter „Erde“ wurde mit dem Preis der ökumenischen Jury ausgezeichnet. Der FIPRESCI-Preis des Internationalen Verbandes der Filmkritik ging an den Film „Die Kinder der Toten“, eine Jelinek-Adaption der beiden Nature-Theater-of-Oklahoma-Macher Kelly Copper und Pavol Liska. Das Schwarz-Weiß-Essay „Heimat ist ein Raum aus Zeit“ von Thomas Heise, eine deutsch-österreichische Koproduktion über die Geschichte seiner Familie, erhielt den vom Bundesverband kommunale Filmarbeit vergebenen Caligari-Filmpreis. Maryam Zarees dokumentarischen Spurensuche „Born in Evin“, ebenfalls eine deutsch-österreichische Koproduktion, erhielt den Kompass-Perspektive-Preis für den besten Film der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“.

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