„Ausstrahlen, was ich verlange“

Gründungskonzerte der Oberösterreich Philharmonie Freitag & Samstag

Selbstreflektiert, zielstrebig: Jung-Dirigent Matthias Achleitner
Selbstreflektiert, zielstrebig: Jung-Dirigent Matthias Achleitner © Achleitner

Junge Menschen, die in ihrem Leben Sinn stiften wollen, gründen eine Punkband. Oder ein Orchester. Zur zweiten Gruppe zählt Matthias Achleitner. Punkband okay, aber wie gründet man ein Orchester? Corona-Tristesse im Februar, der 18-Jährige sagt: „Ganz ehrlich, es war furchtbar für mich.“ Allein im stillen Kämmerlein Partituren studieren, der rettende Gedanke: „Ich gründe ein Orchester.“

Orchester gründen geht so: Liste machen, wer in Frage kommt. Die Leute durchtelefonieren. Eine Probewoche in Aussicht stellen samt Auftritten im Sommer von 19. bis 24. Juli. Das war mit Thomas Kerbl, Vizerektor der Bruckner-Universität, so abgesprochen. Und funktioniert. 65 Musiker sagten zu, 16- bis 26-Jährige aus Musikschulen und Universitäten. Ein Orchester, das länger bestehen soll, „das mich auf dem Lebensweg begleitet“. Kommenden Freitag und Samstag (19.30 Uhr) finden die Gründungskonzerte der Oberösterreich Philharmonie im Großen Saal der Bruckneruni statt, „Emotionen & Impressionen“ von Smetana bis Gerónimo Giménez.

Das VOLKSBLATT erreicht Achleitner in einer Probenpause, der Sohn von Wirtschaftslandesrat Markus erfrischend „unösterreichisch“. Selbstreflektiert und zielstrebig, selbstbewusst ohne Arroganz. Ein Mitreißer, wie er im Dirigentenberuf gefragt ist. Im Orchester spielen sei ganz gewiss „fesch“, sagt Achleitner, „aber einen Klangkörper leiten die große Königsklasse“.

Eine „Persönlichkeit“

Er, der vor zwei Jahren im Linzer Brucknerhaus sein Dirigenten-Debüt mit der Eigenkomposition „Musikerleben“ gab, spricht schon ein bisschen wie ein alter Hase. Viele würden glauben, beim Dirigenten käme es auf die Schlagtechnik an. Das macht aber nur 30 Prozent des Jobs aus, sagt Achleitner. Hinzu kommen die Vorstellung von Klang, Partituren lesen zu können und – „Persönlichkeit“: Einer Menge von Individuen „die Meinung sagen und sie überzeugen. Ein Dirigent muss das ausstrahlen, was er verlangt.“

Ursprünglich wollte Achleitner, 2002 in Wels geboren, Arzt werden. Die Musik drängte sich in sein Leben. Mit sechs Jahren lernte er – „klassisches“ Schicksal – Blockflöte. Die Lehrerin begleitete auf dem Klavier, vom Flügel war er „so begeistert“, dass er das Instrument wechselte. Später lernte Achleitner Trompete, „ich wollte in der Kapelle von Papa mitspielen“ (Vater Markus ist heute Obmann der Trachtenmusikkapelle Neukirchen bei Lambach). Ab September 2017 belegte Matthias im Adalbert Stifter Musik-Gymnasium Linz den M-Zweig, fünf Jahre mit Musikschwerpunkt. Parallel dazu studiert er an der Bruckneruni im Rahmen der „Akademie für Begabtenförderung“.

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Wo geht dem Riesentalent musikalisch das Herz auf? Er sei sehr heimatverbunden und „ganz großer Fan des Wienerischen“. Polka, Märsche, Walzer – deshalb auch die Gründungskonzerte an Tanz orientiert. Zweite Leidenschaft „die Slawen“, Dvoraks 2. Satz aus der 9. Sinfonie („Aus der Neuen Welt“): „Da schmelze ich dahin.“

Von Christian Pichler

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