Austria spielt in Hartberg um ein “Ende mit Licht”

Für den Trostpreis einer verkorksten Saison muss sich die Austria gehörig strecken. Nach dem verlorenen Play-off-Hinspiel (2:3) im eigenen Stadion benötigen die Wiener im Retourmatch beim TSV Hartberg am Mittwoch (20.30 Uhr) einen Kraftakt, um doch noch einen Platz in der Europa-League-Qualifikation zu holen. Die Steirer kündigten an, die Führung nicht zu verwalten.

Austria-Trainer Christian Ilzer gab sich am Tag vor dem “Alles-oder-Nichts-Spiel” positiv. “Hartberg hat im Moment die besseren Karten, aber es ist kein großer Rückstand. Alle Möglichkeiten sind vorhanden”, sagte Ilzer. “Mir ist bewusst, dass zwei Tore wahrscheinlich nicht reichen werden. Wir wissen, dass wir drei oder vier machen müssen. Das trauen wir uns zu.”

Gelingt dies nicht, spielt die Austria nicht international. Im Erfolgsfall darf sie in der 2. Runde der Europa-League-Qualifikation, die am 17. September in einem Match entschieden wird, antreten. “Es wird auch einen Plan B geben, sollten wir es nicht schaffen”, sagte Ilzer. Seine Zukunft schien vor dem letzten Saisonspiel nicht in Stein gemeißelt. “Ich mache mir keine Gedanken, ob ich Austria-Trainer bleibe oder nicht. Es ist meine große Aufgabe, ein Spiel zu drehen. Wenn wir es nicht schaffen, wird der Club Entscheidungen treffen”, sagte Ilzer.

Ein klares öffentliches Bekenntnis der Clubführung zum erst vor einem Jahr geholten Trainer gab es zuletzt nicht. Austria-Vorstand Markus Kraetschmer hatte nach dem Hinspiel im ORF sogar mit einer Ankündigung aufhorchen lassen und in Bezug auf Ilzer gemeint: “Wenn jemand an uns herantritt und mit uns verhandeln möchte, dann werden wir uns das sicher anhören.” Die Austria selbst soll 2019 etwa 400.000 Euro Ablöse für Ilzer an den WAC gezahlt haben.

Zunächst aber folgt mit dem 13. Spiel binnen 44 Tagen für die Austria ein Saisonfinale, nach dem “eine verkorkste Saison noch einmal besser dastehen” könnte, wie Ilzer ausführte. Seinen Zugang nach dem Motto “es wird am Ende Licht sein” habe er auch seinen Spielern nach dem Hinspiel vermittelt. “Ein klarer Heimsieg im Hinspiel hätte überhaupt nicht zu unserer Saison gepasst.”

Violette Zuversicht könnte die Statistik spenden. Alle drei bisherigen Play-off-Finalspiele, also auch jene zwei zwischen Rapid und Sturm im Vorjahr, gewann der Gast. Die Austria hat 2020 keines ihrer sieben Auswärtsspiele (4 Siege, 3 Remis) verloren. Das wüssten auch die Spieler, betonte Kraetschmer: “Ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft und das Trainerteam, dass es in Hartberg noch einmal ein ganz toller Fight werden kann.”

Umgekehrt hat Hartberg in seinen fünf Meistergruppen-Heimspielen nur einen einzigen Punkt (gegen den WAC) geholt. Hartberg-Coach Markus Schopp meinte dazu lapidar: “Wenn das der Strohhalm ist, an dem sich die Wiener Austria aufrichten möchte, dass wir zuhause in der Meistergruppe gegen die Topvereine der Liga nicht gewonnen haben, dann soll es so sein.”

Die Ausgangsposition sei durch den ersten Sieg über die Austria zuletzt sicher nicht schlechter geworden. “Aber wir dürfen nicht glauben, dass wir irgendetwas zu verteidigen haben”, sagte Schopp. In eine defensive Grundhaltung zu verfallen, wäre auf dem Weg zur ersten Europacupteilnahme der Vereinsgeschichte demnach ein “kompletter Blödsinn”. Anlass zur Sorge bestehe diesbezüglich nicht. “Die Mannschaft kann gar nicht anders, als immer am Zug zu sein”, erklärte Schopp.

Im Hinspiel trickste Hartberg mit einer flexiblen Defensivreihe. “Ich glaube, wir sind über die ganze Saison hinweg ein unberechenbarer Gegner. Wir werden uns wieder etwas einfallen lassen”, kündigte Schopp an. Zusätzlich werde man “einen Kampf liefern, dass es ärger nicht geht”, denn: “Wir stehen vor einer riesengroßen Chance, aus einer großartigen Saison eine perfekte zu machen. Das wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen.”

Auf den Gegner sei man vorbereitet. “Wir spielen gegen eine Austria, die extrem viel Möglichkeiten hat. Aber die müssen sie mir erst zeigen am Platz. Wir werden extrem viele Antworten haben, auf alles, was sie vorhaben.” Schopp bangte noch um den Einsatz von Thomas Ostrak, dessen Oberschenkel zuletzt wieder Probleme machte. Ilzer muss neben Dominik Fitz auf Stephan Zwierschitz verzichten, den wie Michael Madl die Adduktoren plagen. Madls Einsatzchance bezifferte Ilzer wie jene für Alexander Grünwald (Rücken) bei 50:50. Bei den Routiniers soll noch das Abschlusstraining am Mittwochvormittag abgewartet werden.

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