Austria will Milan zum Europa-League-Start ärgern

21

Die Austria will im ersten Aufeinandertreffen mit Italiens Topclub AC Milan nicht vor Ehrfurcht erstarren. Zum Startschuss in die Europa-League-Gruppenphase treten die Wiener am Donnerstag (19.00 Uhr/live Puls 4, Sky) als klarer Außenseiter im Happel-Stadion an, wollen in dieser Rolle aber überraschen. „Wir haben nichts zu verlieren, aber sehr viel zu gewinnen“, umriss Florian Klein das Motto.

Vor dem Duell mit dem siebenfachen Champions-League-Sieger und 18-fachen italienischen Meister spricht die Ausgangslage klar für die Gäste. Milan hat im Sommer um über 230 Millionen Euro eingekauft. Der Club will sich nach vier Saisonen ohne Europacup-Teilnahme international wieder präsentieren. Das Interesse scheint groß. Laut UEFA-Angaben werden 62 TV-Kanäle die Partie in Wien live übertragen. Die Austria erwartet 30.000 bis 40.000 Besucher im Prater-Oval.

„Das ist für jeden Spieler ein Highlight. Die Chance, es sich selbst zu beweisen, dass man mithalten kann“, sagte Klein am Tag vor der Partie. Der violette Rückkehrer ist ein volles Happel-Stadion aufgrund seiner Nationalteam-Einsätze gewohnt. Zuletzt spielte die Austria ebenfalls gegen einen Serie-A-Club vor ähnlicher Kulisse. Im November des Vorjahres siegte die AS Roma mit 4:2, nachdem die Austria zuvor ein 3:3 in Rom bejubelt hatte.

Aus dem damaligen Erfolgserlebnis schöpfen die Austrianer Mut. „Gegen eine Top-Mannschaft ist es immer schwer, seinen Stempel aufzudrücken. Aber wir wollen das versuchen“, sagte Trainer Thorsten Fink. So würde es nichts bringen, sich vor dem eigenen Gehäuse einzuigeln. „Wir können uns nicht nur auf Konter verlassen. Wir brauchen auch Ballbesitzphasen, sonst werden sie uns erdrücken“, betonte Fink.

Bis auf die Langzeitverletzten Robert Almer, Alexander Grünwald und Lucas Venuto kann die Austria auf alle Stammkräfte zurückgreifen. Tarkan Serbest wird nach seiner Knieblessur wieder in der Start-Elf erwartet. Im Angriff dürfte Christoph Monschein die Chance erhalten, gegen Star-Verteidiger Leonardo Bonucci sein Können zu beweisen. Dass Milans Defensive auch wackeln kann, bewies die 1:4-Niederlage der Lombarden am Sonntag bei Lazio Rom. Fink saß dabei auf der Tribüne.

Sicher habe er in Rom Schwächen bei den Mailändern gesehen, meinte Fink. „Aber es gibt nicht viele.“ So werde es sicher schwer, einen Treffer zu erzielen. Bis auf die Lazio-Pleite hatte Milan in zuvor sechs Pflichtspielen dieser Saison nur ein Gegentor einstecken müssen. Die Rossoneri schafften dabei wie die Austria über die Qualifikation den Sprung in die Europa League. Uni Craiova (1:0, 2:0) und Shkendija Tetovo (6:0, 1:0) stellten keine großen Hürden dar.

Die Austria will als „klarer Außenseiter“ (Fink) frech und unbekümmert an die Aufgabe herangehen. „Wir wollen zeigen, warum wir Roma auswärts ärgern konnten. Wir haben genug Qualität, um auch Milan zu ärgern“, meinte Fink. Sportdirektor Franz Wohlfahrt betonte angesichts der übrigen Gruppengegner AEK Athen und HNK Rijeka, dass man Respekt vor allen Kontrahenten habe. „Aber wir wollen nicht in die Opferrolle schlüpfen, sondern auch punkten.“ Am besten schon zum Auftakt. Wohlfahrt: „Im Fußball geht es nicht immer ums Geld. Das ist unsere Chance.“

Historisch gesehen hat die Austria den Genuss eines Erfolgs gegen ein italienisches Team erst einmal auskosten dürfen. Inter Mailand wurde 1983 im UEFA-Cup – mit Wohlfahrt auf der Bank – im Happel-Stadion mit 2:1 besiegt. Ansonsten setzte es für die Favoritner in zwölf Duellen mit Italiens Vertretern bei fünf Remis sechs Niederlagen. Milan verlor nur einmal in neun Spielen gegen eine österreichische Mannschaft, 1957 im Meistercup gegen Rapid (2:5).