Austro-Woodstock im Mühlviertel

Zwei Tage mit Seiler & Speer, Ambros, EAV & Co lockten 15.000 Besucher nach Clam

Bernhard Speer von Seiler & Speer
Bernhard Speer von Seiler & Speer © APA/Fotokerschi.at

Von Harald Engelsberger

Was für ein Saisonfinale: Am vergangenen Wochenende war die Burg Clam im Mühlviertel gleich zwei Tage lang fest in der Hand der Austropop-Szene und das Drumherum erinnerte an das legendäre Woodstock-Festival im August 1969, das genau vor 50 Jahren Musikgeschichte schrieb. Jeweils ab 14.30 Uhr bis kurz vor Mitternacht war die prall gefüllte Open-Air-Arena neben der Burg Clam Schauplatz eines Treffens des „Who’s who“ der rot-weiß-roten Musikerzunft — rund 15.000 Besucher von zehn bis 70 Jahre feierten an beiden Tagen enthusiastisch mit.

Altherrentreffen auf Clam

Die Meierhofwiese neben der Burg bebte rhythmisch mit, als die Austropopper alte Hadern und neue Lieder zum Besten gaben: Mit dabei Altbarde Wolfgang Ambros (67), Klaus Eberhartinger (69) mit seiner Ersten Allgemeinen Verunsicherung nach 40 Jahren auf Abschiedstour, der Wiener Norbert Schneider und Hauptact Seiler & Speer sowie gleich zu Beginn das STS-Drittel Schiffkowitz (72). Sie alle präsentierten musikalische Höhepunkte so bunt gemischt wie das restlos begeisterte Publikum. In den kurzen Pausen zwischen den Auftritten kam die professionelle Clam-Gastronomie auf ihre Rechnung, einzig die WC-Anlage war vom Ansturm dann doch etwas überfordert. Das nicht alltägliche Ambiente auf Clam macht einen Konzertbesuch aber stets aufs Neue zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Rund 15.000 Zuschauer ließen sich den zweifachen Konzertmarathon auf Clam nicht entgehen. © Engelsberger
Rund 15.000 Zuschauer ließen sich den zweifachen Konzertmarathon auf Clam nicht entgehen. © Engelsberger

Das Altherrentreffen österreichischer Popgeschichte sprengten Norbert Schneider (39) und das Duo Christopher Seiler (31) und Bernhard Speer (35). Das dargebotene Liedgut reichte übrigens vom „Hofer“ über den „Märchenprinz“ und „Fürstenfeld “ bis zum „Herrn Inspektor“ und war ein eindrucksvoller Beweis für das umfassende Repertoire rot-weiß-roter Sangeskunst. Insgesamt wurde ein toller Querschnitt geboten: Schiffkowitz begann am ersten Tag bei 34 Grad unter einem Sonnenschirm sitzend mit „Gö, du bleibst heut Nacht bei mir“, sang zwischendurch in memoriam Wilfrieds „Lauf, Hase lauf“ und das Beatles-Cover „Do kummt de Sun“, ehe er mit „Fürstenfeld“ aufhörte. Norbert Schneider gedachte Georg Danzer mit dessen Cover „Traurig aber wahr“ und natürlich durfte auch Schneiders eigener Hit „Take it easy“ nicht fehlen.

Ambros plagte sich sichtlich gebückt auf die Bühne, dort angekommen gab es tobenden Applaus und kein Halten mehr. Der „Wolferl“ besang zuerst seine „erste große Liebe“ und seine „Mama“, dann erinnerte auch er mit „Lass mi amoi no d‘Sunn aufgehn segn“ an seinen Freund Danzer, natürlich durften „Da Hofer“, „Baba und foi ned“, „Gezeichnet fürs Leben“ oder „Langsam wachs ma z’samm“ nicht fehlen. Und wenn’s live mit dem Ambros ist, dann singen die Leute selbst im August „Schifoan“ ohne Hänger — und auch ohne Ambros. Klaus Eberhartinger vergnügte sich und das Publikum mit einem musikalischen Querschnitt aus 40 EAV-Jahren, darunter „Banküberfall“, „Geld oder Leben“ oder „Heiße Nächte in Palermo.“ Pech hatte der EAV-Frontmann bei einem Sturz von der Bühne: Der 69-Jährige zog sich Rippenbrüche zu.

Einfach zum Mitsingen

Als Seiler & Speer um halb zehn Uhr abends auf die Bühne kamen, war das Publikum schon richtig in Stimmung und sang begeistert mit. Bei den bekannteren Songs der Edel-Proleten (laut Eigendefinition) – allen voran „Ala bin“, „Ham kummst“, „Herr Inspektor“ oder „I wü ned“ – waren die beiden Stars auf der Bühne fast überflüssig, denn der Gesang der Fans übertönte alles. Und bei Liedern wie der Ballade „Setz di her“ sorgte das Publikum dann mit einem Lichtermeer aus Handys und Feuerzeugen für besondere Stimmung. Kurz vor Mitternacht ging nach mehr als neun Stunden Woodstock-Feeling ein musikalisches Feuerwerk zu Ende.

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