Auto-Schau im Guggenheim Bilbao: Vom Bond-Mobil zum Fat Car

Normalerweise stiehlt das Guggenheim Museum Bilbao den in ihm gezeigten Kunstwerken ein wenig die Show. Doch bis 18. September hat das emblematische Architektur-Meisterwerk von Frank O. Gehry nun Konkurrenz bekommen: Seltene Bugattis und Jaguars, die ersten Rolls Royce, Modelle von Mercedes-Benz, Firebird, Mini und Ferrari. Auch der Aston Martin DB5, den Sean Connery als James Bond in „Goldfinger“ fuhr, zieht in „Motion. Autos, Art, Architecture“ die Aufmerksamkeit auf sich.

Geschwindigkeit, Eleganz, Luxus, Autonomie, Abenteuer. Seit seinen Anfängen gegen Ende des 19. Jahrhunderts begeistert das Automobil den Menschen. Als Symbol für Modernität und Fortschritt zog es von Beginn an auch Künstler und Architekten in seinen Bann, wie die am Freitag im Guggenheim Museum Bilbao startende Ausstellung zeigt.

Die groß angelegte Exposition, mit welcher das Museum heuer sein 25-jähriges Jubiläum feiert, ist mit seinen rund 38 einzigartigen Wagen somit auch viel mehr als nur eine Art Rückblick auf mehr als ein Jahrhundert Automobilgeschichte. Anhand von Skulpturen, Fotografien, architektonischen Zeichnungen, Drucken und Malerei zeigt sie anschaulich, welch großen Einfluss das Auto als Motiv und Symbol auf die Kunstgeschichte hatte. „Das Auto ist Schönheit, pures Design. Es handelt sich um ein Kunstwerk“, erklärte der britische Stararchitekt Lord Norman Foster.

Der Autoliebhaber und Pritzker-Preisträger konzipierte und kuratiert die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit zwischen seiner eigenen Stiftung und dem Museum entstand. Bereits im ersten Ausstellungssaal veranschaulicht er mit Fotoarbeiten von Man Ray und Ricardo Martín, Zeichnungen von Le Corbusier und Pierre Bonnard, Malereien von Antonio de Guezala und einer Skulptur von Constantin Brancusi, wie euphorisch Künstler auf den Übergang der ersten kastenähnlichen Automobile auf die immer aerodynamischer werdenden Formen neuer Wagen reagierten. Ihnen stellt Foster verschiedenste Automodelle wie Bugattis und Fords vom Beginn des 20. Jahrhunderts gegenüber.

Besonders die Futuristen bewunderten Anfang des 20. Jahrhunderts das neue Lebensgefühl, das vom Automobil ausging. Sie waren fasziniert vom Tempo, von der technischen Perfektion, der Kraft und dem Geräusch der neue motorisierten Wagen, die zum Symbol einer neuen Weltanschauung, eines neuen Menschen wurden.

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In der Malerei avanciert das Auto zu einem der wichtigsten Bildmotive. Man Ray, George Grosz, Max Ernst – sie alle zeigen die Welt der Technik in ihren Gemälden. Zahnräder, Reifen, geometrische Kreise übersetzen bildnerisch die Idee von Fortbewegung. Für die Expressionisten wird die Großstadt – und darin das Auto – zu einem wichtigen Motiv.

Die Fluxus-Künstler der 1960er- und 1970er-Jahre deformierten, verbrannten oder zerquetschen das Auto in ihren Happenings und Aktionen, um kritisch kilometerlange Staus, Lärm und Abgase zu kritisieren. Auch der österreichische Künstler Erwin Wurm stellte immer wieder deformierte Porsches in Museen und auf Kunstmessen aus.

Doch spätestens mit der Pop Art Bewegung geriet das Auto als Status- und Fortschrittssymbol immer mehr in die Kritik. Andy Warhols konsumkritischen, knalligen Auto-Siebdrucke von 1986 zeigen beispielsweise den Benz Patent Motor Car von 1886. Gleich daneben steht das Original. Warhols Autobilder spielen auf die Abgründe der Zivilisation und die Sensationslust der Medien an.

Die Ausstellung im Guggenheim-Museum will aber vor allem die künstlerischen Parallelen zwischen Automobilen und Kunst aufzeigen. Das macht sie immer wieder auch mit Skulpturen wie von Umberto Boccioni oder Alexander Calders Mobile „31. Jänner“.

Wie Künstler auf das neue Autodesign, die stetig fließende Bewegung reagieren veranschaulichen auch wunderschön die „Liegende Figur“ von Henry Moore und der „Laufende Panther“ des Bildhauers Rembrandt Bugatti, einem Onkel des Autogründers Jean Bugatti, die zwischen einem Bugatti Type 57, einem Pegaso Z-102 und einem seltenen Bentleys hervorstechen. Das Dymaxion #4 Automobil vom Designer Buckminster Fuller steht in unmittelbaren Nähe von Angela Palmers Skulpturen, schräg gegenüber hängen die Autorennen-Bilder von Giacomo Balla.

Viele Künstler inspirierten sich nicht nur im Auto-Motiv, sie designten sogar welche. Es waren Auftragsarbeiten der Autoindustrie. Viele wurde nie angefertigt, aber die Modelle von Andy Warhol, Designer Ken Adam sowie Architekten wie Le Corbusier oder Frank Lloyd Wright machen klar, das Autos auch Kunstwerke sind. Der legendäre Museumsdirektor und Kunstkurator Arthur Drexler bezeichnete sie einmal als „leere Skulpturen auf Rädern“.

Es wäre aber keine Ausstellung von Norman Foster, wenn nicht auch ein Blick auf die Zukunft geworfen würde. So heißt der letzte Teil der Ausstellung auch „Future“ und ist Arbeiten einer jungen Generation von Studenten von 16 Hochschulen für Gestaltung und Architektur gewidmet, die eingeladen wurden, ihre Zukunftsvisionen von der Mobilität, Nachhaltigkeit und Energiealternativen für Autos am Ende dieses Jahrhunderts darzustellen.

(S E R V I C E – ; )

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