Autovermieter Sixt erwartet die Rettung ab dem Sommer

Deutschlands größter Autovermieter Sixt schreibt im Kerngeschäft rote Zahlen und hat bereits „ein verheerendes zweites Quartal eingeplant“, will aber das Jahr trotzdem mit einem Gewinn abschließen. „Im zweiten Halbjahr zieht es wieder an. Alle Anzeichen deuten darauf hin“, sagte Vorstandschef Erich Sixt am Mittwoch. Er plane weder Stellen abzubauen noch Stationen zu schließen.

„Wir holen die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück, sobald die Nachfrage wieder da ist“, sagte Erich Sixt bei einer Telefonkonferenz. Die Nachfrage von Geschäfts- und Flottenkunden sei sehr schwach, aber die Nachfrage von Privatkunden in Stadtfilialen und beim Carsharing sei jetzt wieder auf Vor-Corona-Niveau. Im Inland sehe er „noch keine Trendwende“, aber die Reservierungen nähmen zu.

Das laufende Quartal werde allerdings sehr verlustreich und „das schlechteste in der Unternehmensgeschichte“ werden, sagte der Vorstandschef. Bei den Sach- und Personalkosten spare Sixt heuer 150 Millionen ein. Der Fuhrpark – der weitaus größte Kostenfaktor – sei im März um 20.000 Autos oder 13 Prozent verkleinert worden, bis Juni schrumpfe er weiter. Erst ab Juli soll die Vermietflotte wieder wachsen. Das dritte Quartal werde alles entscheiden. „Die Grenzen sollten möglichst bald offen sein, damit der Tourismus wieder startet“, sagte Sixt.

Für die Kunden hatte er aber eine schlechte Nachricht: „Ich nehme an, dass die Preise ansteigen, angesichts der Notlage der Branche.“

Im ersten Quartal sank der Umsatz von Sixt um 3 Prozent auf 488 Mio. Euro, vor Steuern blieb ein Verlust von 5 Mio. Euro. Nur dank der höheren Bewertung der Leasing-Beteiligung in der Bilanz blieb Sixt unter dem Strich dennoch ein Quartalsgewinn von 16 Mio. Euro. Der Verkauf der Leasing-Anteile an die Hyundai-Bank soll nach dem Sommer abgeschlossen werden.

Die großen Konkurrenten Hertz, Avis und Europcar stünden mit Quartalsverlusten von 105 bis 365 Mio. Dollar (97 bis 336 Mio. Euro) viel schlechter da, sagte Erich Sixt. Außerdem sei sein Unternehmen mit 1,5 Mrd. Euro Eigenkapital sehr solide aufgestellt. Den vorsorglich beantragten Kredit der bundeseigenen KfW-Bank brauche es nicht, um operative Verluste auszugleichen, sondern um die Vermietflotte zu finanzieren. Diese sei im Moment 2,8 Milliarden Euro wert, alle sechs Monate würden die Fahrzeuge erneuert: „Die kann ich nicht cash bezahlen, dafür brauch’ ich Kredite.“

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