Avec im Linzer Posthof: Fragile Welt, großes Drama

Pop: Die Vöcklabrucker Sängerin lieferte mit ihrer Band ein umjubeltes, fantastisches Konzert ab

Sängerin Avec
Sängerin Avec © Kidizin Sane

Nach dem zweiten Song „Love“ spricht Avec. Nein, spricht erst einmal nicht, sondern schüttelt den Kopf, schlägt die Hände vors Gesicht. Jubel und Wellen der Zuneigung, den ganzen Abend wird das hin und her wogen. Ein Traum geht in Erfüllung, spricht also Avec.

Volles Haus am Samstag im Linzer Posthof, der dampfende Mittlere Saal bis oben hin voll. „Ein Homecoming für uns“, sagt Avec, bedankt sich und schüttelt wieder den Kopf. Too much love, gibt’s denn das. Diese Frau ist erst 23 und als Singer/Songwriter bereits eine erfahrene Seele. Aufgewachsen in Vöcklabruck, mit 14 brachte sie sich selbst Gitarre bei. Ende 2015 kam die EP „Heartbeats“ heraus, Avec stellte ein paar Songs ins Internet und fragte zeitgemäß: Gefällt’s euch? Tat es. 2016 das Debütalbum „What If We Never Forget“, der fabulöse Ohrwurm „Granny“ eine Aufarbeitung der Demenzerkrankung einer „unglaublich großartigen Frau, meiner Oma“, sagt Avec.

„Granny“ naturgemäß einer der emotionalen Höhepunkte im Posthof, x-mal gehört aber noch immer rieselt’s einen. 2018 das zweite Album „Heaven/Hell“, Avec tastet sich auch elektronisch vor. Fantastisch „Under Water“, Kraft der Verletzlichkeit, eine sechsköpfige Band begleitet Avec. Der Sound satt und warm, auf stille Momente folgt countryeske Schunkelei bis zum Hüften und Tanzbein anschiebenden Disco-Feeling („Home“, „Leaving“). Fast witzig, wenn Avec höflich nachfragt, ob es jetzt ausnahmsweise ruhiger sei, denn „Alone“ folgt. Eine Songperle, raffiniert eingeschleust mit dezentem Piano das Motiv von Kate Bushs „Running Up That Hill“.

Kleine Geschichten und großes Drama trennt nur ein Hauch, Avecs Stimme fest, klar und manchmal rau. Ein Zauber geht von den Songs, der Präsenz der Sängerin aus. Drei Zugaben, darunter ein düsteres und fragiles „Heaven/Hell“.

Paradiesischer Abend, einige leuchtende Augen.

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