Bad Ischl wird Europäische Kulturhauptstadt 2024

Salzkammergut mit „Kaiserstadt“ an der Spitze setzte sich gegen St. Pölten und Dornbirn durch

„Kunst und Kultur kann uns vereinen“, zeigte sich Juryvorsitzende Cristina Farinha gestern im Bundeskanzleramt überzeugt, bevor sie das Salzkammergut als künftige Europäische Kulturhauptstadt 2024 verkündete. Damit hat das internationale Gremium jenen Kandidaten aus dem heimischen Bewerber-Trio gekürt, dem lange nur Außenseiterchancen eingeräumt wurden. Die Region mit rund 20 Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark setzte sich nach dreijähriger Vorbereitungszeit gegen St. Pölten und Dornbirn durch.

Damit geht der Titel der Europäischen Kulturhauptstadt nach Graz 2003 und Linz 2009 ein weiteres Mal nach Oberösterreich respektive in die Steiermark. Kern des Konzeptes, dessen Oberbegriff „Salz und Wasser als DNA“ lautet, ist ein offenes „Kulturkammergut“ abseits historischer Klischees.

„Als Signal für den ländlichen Raum, der nicht vergessen, sondern gestärkt wird“, interpretierte Bad Ischls Bürgermeister Hannes Heide die Entscheidung. Landeshauptmann Thomas Stelzer gratulierte den Organisatoren, diese hätten alle Hausaufgaben der Kommission erfüllt. „Hinter einer Bewerbung wie dieser stecken viel Zeit, Engagement und Herzblut — das Ergebnis sind zahlreiche Ideen, die die Gemeinden in der Region näher zusammen- rücken lassen.“ Diese Chance gelte es mitzunehmen: „Das Land Oberösterreich wird die Region dabei unterstützen“, versprach Stelzer. Für Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner „eröffnen sich auch für den Tourismus im Salzkammergut vollkommen neue Chancen“, denn mit dem Zuschlag könne „eine neue Zielgruppe angesprochen werden und das Salzkammergut rückt noch stärker in das internationale Rampenlicht“.

„Zeitgenössisches Kulturkammergut“

Ziel sei es, „ein offeneres, zeitgenössisches Kulturkammergut“ entstehen zu lassen, das „nicht mit verkitschten Themen wie der Kaiser in Bad Ischl im Historischen verhaftet bleibt“, brachte es Projektleiter Stefan Heinisch auf den Punkt. Die Ischler Kulturhauptstadt-Strategie verfolge bewusst „einen anderen Ansatz statt nur die Bus-Slots zu verteuern“. Man gehe gezielt auch in ruhigere Regionen des Salzkammerguts, etwa ins Almtal.

Die Schwerpunkte der Bewerbung, ein bewusster Umgang mit Zeitgeschichte, die Betonung des zeitgenössischen und des tourismuskritischen Blicks hätte etwa die Wolfgangsee-Gemeinden dazu bewogen, sich nicht an der Kulturhauptstadt-Bewerbung zu beteiligen, auch der Attersee habe bisher kritische Distanz gehalten, obwohl sie bei der gemeinsamen Kulturstrategie mit dabei seien. „Grundsätzlich haben wir weiter eine Drei-Bundesländer-Sache gemeinsam mit Salzburg im Hinterkopf. Die Tür wird nicht zugehen. Es wäre schön, wenn wir sie dazu kriegen.“ Man kalkuliere derzeit mit insgesamt 30 Mio. Euro, so Heinisch. Zehn Mio. Euro stellte Kulturminister Alexander Schallenberg gestern in Aussicht, zehn Millionen sollen aus den Gemeinden der Region kommen, zehn Millionen von den beteiligten Bundesländern. Als einzige neue Institution soll im heruntergekommenen Ischler Stadtteil Gries in einem 500 Jahre alten, dreistöckigen Haus um rund eine Mio. Euro ein Offenes Kulturhaus entstehen.

Übertourismus und Gegenstrategien

Eine offizielle schriftliche Jurybegründung für die Wahl des Salzkammerguts zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024 wird es in rund drei Wochen geben. Juryvorsitzende Farinha hob vor allem die Auseinandersetzung mit den Problemen des Übertourismus und die Entwicklung von positiven Gegenstrategien hervor. Bad Ischl habe letztlich die geforderten Kriterien in ihrer Zusammenschau etwas besser beantwortet als die anderen, so Farinha. Die beiden geschlagenen Mitbewerber St. Pölten und Dornbirn kündigten an, wichtige Punkte ihrer Bewerbungen trotzdem umsetzen zu wollen. M. Wagenhofer

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