Ballett-Premiere an der Staatsoper sorgte für Kurzweil

Das Wiener Staatsballett nimmt sich derzeit zwei Größen des neoklassischen Balletts vor: Jerome Robbins und George Balanchine. „A Suite of Dances“ besteht aus vier Stücken, teils mit großen Ensemble-Szenen, teils mit spielerischen Solotänzen und Pas de deux, die das Publikum der Staatsoper nach monatelangem Kultur-Entzug wieder auf Ballett einstimmen. Nicht Handlung, sondern Tanz und Tänzer stehen im Fokus – und zeigen, dass Ballett sowohl grazil als auch witzig sein kann.

Schon beim ersten Stück „Glass Pieces“ wuselt es bei der Premiere am Donnerstagabend auf der Bühne, ähnlich dem dichten Gedränge der Großstadt. Das Corps de Ballet, gekleidet in individuelle, an Trainingsgewand erinnernde Kostüme, läuft immer wieder mit athletischen Bewegungen in verschiedene Richtungen über die Bühne. In einem zweiten Teil dieser Stadt-Projektion steht ein anmutiger Pas de deux im Vordergrund, während im Hintergrund nur die Silhouetten anderer Tänzerinnen zu sehen sind. Hier wirkt plötzlich alles – auch die Bewegungen der Tänzer – still, und es scheint, als betrachte man hier einen intimen Moment, einen Tanz unter dem einsamen Licht einer Straßenlaterne. Die Einfachheit des Stücks unterstreicht das Orchester mit Minimal Music von Philip Glass.

Zweisamkeit kommt auch im einzigen Balanchine-Stück des Abends „Duo Concertant“ sowie im nachfolgenden titelgebenden „A Suite of Dances“ auf. Während in Ersterem ein Paar zu Violine und Klavier tanzt und dabei immer verliebter wirkt, sticht vor allem Zweiteres an diesem Ballettabend hervor. Ganz in Rot gekleidet zeigt Davide Dato Cellistin Ditta Rohmann, nach deren Interpretation Johann Sebastian Bachs er tanzt, wie ein Solotanz aussehen sollte. Mit schnellen Bewegungen der Beine und zahlreichen Sprüngen nimmt er die Bühne und das Publikum ganz für sich ein, der Tanz wird aber stets auch durch Elemente wie Radschlag oder Purzelbäume aufgebrochen.

Beendet wird der Abend in der Wiener Staatsoper mit „The Concert“, dessen Handlung aus einem Fiebertraum Jerome Robbins zu stammen scheint. Dass es jetzt wirklich witzig wird, das zeigt schon Pianist Igor Zapravdin, der auf der Bühne zunächst einmal sein Klavier putzen muss, dass der Staub nur so fliegt. Seine Konzertgäste stehen ihm in nichts nach: Mit über ihren blauen Ballettkostümen getragenen Anzugwesten und Krawatten wirken sie schon komisch, bevor sie sich gegenseitig die Stühle unter den Hintern wegziehen und später in Slapstick-Manier mühelos scheinbar bewusstlose Tänzerinnen durch den Raum tragen.

(S E R V I C E – „A Suite of Dances“ mit Werken von Jerome Robbins und George Balanchine. Musik von Philip Glass, Igor Strawinski, Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin. Mit alternierenden Besetzungen, u.a. Ioanna Avraam, Andrey Teterin, Davide Dato, Igor Zapravdin und Elena Bottaro. Wiener Staatsballett, Staatsoper, Nächste Vorstellungen: 25., 30.5., 4.6., 19 Uhr. Karten: )

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