Bank Austria Kunstforum zeigt Rebecca Horns magische Objekte

Seit Jahrzehnten ist Rebecca Horn einer der Stars der Kunstszene. „Sie ist die Grande Dame der deutschen Kunst, das weibliche Pendant zu Gerhard Richter“, sagt Bettina M. Busse. Sie hat für das Bank Austria Kunstforum Wien eine große Werkschau der 77-Jährigen kuratiert, die am Montag eröffnet wird. Sie versammelt Ikonen der jüngeren Kunstgeschichte wie den Konzertflügel, der zuletzt in der „Beethoven bewegt“-Schau des KHM von der Decke hing, aber auch jüngere Arbeiten.

Mit der jüngsten Arbeit der im Odenwald lebenden, seit einem Schlaganfall aber auf Reisen verzichtenden Künstlerin, „Unbefleckte Empfängnis“ aus 2018, und ihrer großen, 1997 in der Hauptschau der Biennale Venedig gezeigten Installation „Concerto dei Sospiri“ startet Busse die Ausstellung. Aus Bauschutt von venezianischen Häusern erhebt sich ein pflanzlich wirkendes Geflecht von Kupferröhren und -trichtern, aus denen ein vielstimmiges Flüstern zu hören ist. Aber schon aus den links und rechts anschließenden Räumen ist jene Bewegung wahrzunehmen, für die Horn berühmt geworden ist.

Diese Kunst lebt. Ganz buchstäblich. Bei vielen Arbeiten sorgen Bewegungsmelder dafür, dass sich, kaum kommt man in ihre Nähe, Pfauen-, Straußen- oder Rabenfedern zu spreizen und Buchseiten zu flattern beginnen. Kleine Hämmer geben Klopfzeichen, Tanzschuhe vollführen Spitzentänze, Schreibmaschinen klappern und verspritzen Tinte, Gewehre und Pistolen nehmen einander ins Visier und verschießen „Blut“, das im Laufe der Ausstellung eine immer intensivere Spur auf dem Boden hinterlassen wird. Es sind Objekte, deren Materialien ihre Nähe zur Arte Povera nicht verleugnen, denen aber mittels der Kunst der Feinmechanik magische Kraft verliehen wird. „Die Bewegung ist immer ansprechend und fungiert für viele als Eye Catcher“, analysiert Busse beim APA-Rundgang Horns Erfolgsrezept. „Gleichzeitig lässt sie dem Betrachter viel Freiheit. Sie ist eine große Anregerin der Fantasie, ohne oberflächlich zu sein. Diese Mischung ist einzigartig.“

Rebecca Horns kybernetische Objekte sind auratisch aufgeladen, aber nicht wartungsfrei. Umso stolzer ist Busse, einige der fragilen Exponate, die ansonsten nicht reisen dürfen, nach Wien bekommen zu haben – etwa „High Moon“ (1991) aus dem Kunstmuseum Wolfsburg, für das in einem Ausstellungsraum extra eine Zwischendecke eingezogen werden musste, oder das Schreibmaschinenballett „Blue Monday Strip“ (1993), das nun erstmalig außerhalb des Guggenheim Museums zu sehen ist.

Es ist ein anregender und faszinierender Parcours, der einen an Straußeneiern, die von spitzen Metallnadeln bedroht oder von feinen Haarbürsten gestreichelt werden, vorbei Richtung Frühwerk der Künstlerin führt, als sie in Performances mit Gestellen, Prothesen und Masken noch selbst für Bewegung sorgte oder von Stummfilmen fasziniert war. Am Ende ihres Films „Der Eintänzer“ tanzte ein Tisch Tango. Die Bewegung wurde künftig an Objekte und Maschinen delegiert. Für Bettina M. Busse ist das filmische Werk essenziell für das Verständnis von Rebecca Horns Oeuvre – deshalb gibt es nicht nur gezeichnet Storyboards in der Ausstellung, sondern auch Filmvorführungen in einem eigenen Kinoraum im Kellergeschoß. Dort sind „Der Eintänzer“ (1978), „La Ferdinanda: Sonate für eine Medici-Villa“ (1981), ihr Spielfilm „Buster’s Bedroom“ (1990), eine Hommage an Buster Keaton mit Geraldine Chaplin und Donald Sutherland, zu sehen. Die Ausstellung läuft bis 23. Jänner.

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(S E R V I C E – Ausstellung „Rebecca Horn“ im Bank Austria Kunstforum Wien, Wien 1, Freyung 8, 28. September 2021 bis 23. Jänner 2022, täglich 10 bis 19 Uhr, Freitag 10 bis 21 Uhr, Katalog „Rebecca Horn. Concert for Anarchy“, Hatje Cantz Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-7757-5120-9, 32 Euro, )

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