Banken treiben Planungen für die Rückkehr in die Büros voran

Atemschutzmasken, Fiebermessungen und Lunchpakete könnten in Zukunft zur neuen Routine der Banker gehören. Mit der allmählichen Lockerung der Auflagen in der Coronapandemie machen sich auch die Geldhäuser Gedanken, wie und wann sie Mitarbeiter in die Büros zurückholen.

An dichtgedrängte Aufzüge und Tische mit geringem Abstand, wie das vor der Viruskrise in Handelssälen die Norm war, ist auf absehbare Zeit nicht zu denken. Viele Beschäftigte dürften wegen der Risiken auch weiterhin im Home Office arbeiten.

Die Planungen für die Rückkehr von Mitarbeitern in die Büros werden auch bei der Deutschen Bank langsam konkreter. „Wir werden es auf eine Art und Weise tun, in der sich die Mitarbeiter wohlfühlen, wenn sie wiederkommen“, sagte Mark Fedorcik, Leiter der Investmentbank, in der derzeit rund 84 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten. Doch das wird wohl vor allem erst einmal die USA betreffen. In Deutschland sei das Institut nicht in Eile, Mitarbeiter in die Büros zu holen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Schließlich gelten die Begrenzungen für Zusammenkünfte hierzulande weiter.

Die Kantine in den Frankfurter Doppeltürmen der Bank werde bis auf Weiteres nur eingeschränkt öffnen und das Essen lediglich zum Mitnehmen auf Papptellern angeboten. Essen im Speisesaal und Selbstbedienung blieben untersagt. Viele der in Fluren und Büros aufgebauten Kaffeemaschinen in der Bank seien aus Hygienegründen außer Betrieb.

Die Finanzzentren in Asien dürften die ersten sein, bei denen eine bedeutende Zahl von Mitarbeitern an ihren gewohnten Arbeitsplatz zurückkehren darf. Sie bekamen als erstes die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. Doch in China und Hongkong scheint das Schlimmste überstanden und die Infektionszahlen aktuell weit niedriger als in Europa und den USA.

In den Büros von Goldman Sachs in Hongkong arbeiteten diese Woche schon ein Viertel der Beschäftigten im Büro, sagte ein Insider. Bis zum 11. Mai sollten es 35 Prozent sein und bis zum 25. Mai die Hälfte. Wie in anderen großen Gebäuden der Stadt wird beim Zutritt die Körpertemperatur gemessen.

Die UBS hat am Eingang ihrer drei Hongkonger Büros die Tastenfelder entfernt, auf denen Banker ihre Zugangscodes eingeben. Stattdessen müssen sie Eintrittskarten durch ein Lesegerät ziehen. In den meisten Sparten bereitet sich die Bank darauf vor, dass Mitarbeiter in geteilten Teams arbeiten – ein Teil von zu Hause aus, ein Teil im Büro. Dort nur mit Maske.

In Frankreich, wo die Ausgangssperre ab dem 11. Mai gelockert werden soll, diskutiert Societe Generale mit Arbeitnehmervertretern das weitere Vorgehen. Die Gewerkschaft CGT hat auf ihrer Webseite nach Anregungen gefragt. Zu den Vorschlägen gehören Zangen, um die Kaffeepads nicht mit der Hand anfassen zu müssen, Scooter für die Mitarbeiter oder Zuschüsse, damit sie den öffentlichen Nahverkehr meiden können. Societe General wollte sich dazu nicht äußern.

Ein Insider einer amerikanischen Bank in Paris erklärte, die Bank plane, die Arbeitsplätze regelmäßig zu desinfizieren und den Abstand zwischen den Tischen zu vergrößern.

Die US-Bank JP Morgan diskutiert, extra Leute abzustellen, die an den Aufzügen die Knöpfe zu drücken, hieß es vergangene Woche in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Auch könnte es in den Kantinen nur noch verpacktes Essen geben. Einen offiziellen Zeitplan für eine Rückkehr ihrer Mitarbeiter aus dem Home Office gibt es noch nicht.

Der Rivale Wells Fargo wies in einem Schreiben vom 22. April darauf hin, dass trotz der Lockerungen in immer mehr Bundesstaaten die Rückkehr zur Normalität dauern werde und sie mit den Sicherheitsmaßnahmen erst einmal fortfahren will. „Wir gehen davon aus, dass die mehr als 180.000 Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, dies auch weiterhin tun werden“, hieß es in dem von Chief Operating Officer Scott Powell unterzeichneten Schreiben. An 56 der größten US-Standorte werden Mitarbeiter von medizinischem Personal auf Coronavirus-Symptome wie Fieber überprüft.

Banken haben bei ihren Planungen aber nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in Blick. Viele mieten Büros in einigen der teuersten Standorte der Welt und prüfen nun die Möglichkeiten für längerfristige Einsparungen. „Ich denke, jedes Unternehmen, auch die Deutsche Bank, wird bewerten, ob alle im Büro arbeiten müssen oder ob es Möglichkeiten gibt, einige Leute von zu Hause aus arbeiten zu lassen, die dies in der Vergangenheit nicht getan haben“, sagte Fedorcik.

Barclays-Chef Jes Staley erklärte, an die Rückkehr zu den Arbeitsweisen vor dem Ausbruch des Coronavirus im Jänner sei nicht zu denken. Die Bank werde ihre Standortkonzepte langfristig anpassen: „Die Vorstellung, 7.000 Leute in einem Gebäude unterzubringen, könnte Geschichte sein.“

Wie ist Ihre Meinung?