Barbara Zeman lässt sich bei Bachmann-Preis überraschen

Barbara Zeman tritt beim Bachmann-Preis an © APA/GEORG HOCHMUTH

„Immerjahn“ war eines der wichtigen Debüts des Literaturjahrs 2019. Die Geschichte um einen steinreichen Erben, der die von Mies van der Rohe erbaute Familienvilla am „Hagebuttenberg“ zum Kunstmuseum umbaut, in dem es Werke von Malewitsch, Whistler, Bacon und van Gogh zu bestaunen gibt, trug Barbara Zeman viel Lob ein. Beim Wettlesen um den Bachmann-Preis tritt die heute 41-jährige in Wien lebende Eisenstädterin als eine von zwei Teilnehmern aus Österreich an.

Dass sie in Klagenfurt antritt, ist einer kurz entschlossenen „Ablenkungsstrategie“ gegen eine Winterdepression geschuldet, als sie gegen Corona und Wetter einen Stimmungsaufheller benötigte. In kürzester Zeit war ihr Text und ihre Bewerbung fertig – und schon kurz darauf kam die Einladung von Jurorin Brigitte Schwens-Harrant. „Es ist ein kleines Wunder, dass meine seltsame Strategie so aufgegangen ist“, sagt Zeman im Gespräch mit der APA. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt. Aber ich habe keine Angst davor.“

Sie wird den Beginn ihres zweiten Romans lesen. Viel darf und möchte sie darüber nicht verraten – außer, dass die Geschichte einen ganz starken Bruch zu „Immerjahn“ darstellt, inhaltlich wie stilistisch. „Die Geschichte steht schon, aber das eigentliche Schreiben kommt noch.“ Ein Erscheinungstermin für das neue Buch ist noch nicht in Aussicht genommen. Unter Zeitdruck möchte sich die Autorin, die 2012 mit dem Wartholz-Literaturpreis und dem Literaturpreis des Landes Burgenland ausgezeichnet wurde, nicht setzen lassen. An „Immerjahn“ hat sie immerhin drei Jahre gearbeitet. Doch der neue Roman werde relativ kurz werden, weiß sie. „So an die 120 Seiten. Ich möchte, dass man ihn in einem Zug lesen kann.“

Für diesen Roman hat sie ein anderes Projekt verschoben, an dem sie die vergangenen fünf Jahre gearbeitet hat – ein rund um Russland und den Ersten Weltkrieg spielender Kriegsroman. Als Historikerin habe sie sich bisher vor allem mit der Zwischenkriegszeit und dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, erzählt sie. Vor zehn Jahren habe sie begonnen, sich intensiv mit russischer Kultur und Geschichte auseinanderzusetzen. Drei Tage nach Ende der Einreichfrist für die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt begann der russische Einmarsch in die Ukraine. „Damit hat sich der Referenzrahmen stark verändert.“ Hätte sie unter den neuen Umständen nicht lieber einen Auszug aus dem Russland-Roman eingereicht? „Nein, der neue Text passt sehr gut so.“

Barbara Zeman studierte Politikwissenschaften, Ethnologie, Publizistik und Geschichte und drei Monate Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst, arbeitete als Journalistin. Kellnerin und Frühstücksköchin. Dass ihr Terminplan derzeit gut gefüllt ist, hat nicht mit dem Schreiben, aber auch mit Literatur zu tun. In der Pandemiezeit gründete sie nämlich gemeinsam mit Robert Stadlober (“Er war der einzige Schauspieler, den ich kannte”, lacht sie) die Literaturshow „Der Großartige Zeman Stadlober Leseklub“. Diese stellt für Zeman nicht nur quasi ein Privatstudium dar (“Ich lerne wahnsinnig viel dadurch.„), sondern legt auch ein Schwergewicht auf unterrepräsentierte Autorinnen. Das Projekt wurde ein voller Erfolg, mit Kooperationspartnern wie der Österreichischen Exilbibliothek, dem Burgtheater und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels. Mittlerweile ist die Veranstaltung ins Literaturhaus Wien übersiedelt, wo Zeman am 29. Juni, drei Tage nach dem Bachmann-Preis-Finale, gemeinsam mit der Burgschauspielerin Safira Robens den Roman “Die Schildkröten” von Veza Canetti vorstellen wird. „Als ich mir das ausgedacht habe, hätte ich nie gedacht, dass ich das zwei Jahre später noch immer mache und fast schon von den Leseklubs leben kann.“

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Und jetzt kommt Klagenfurt. „Dort bin ich noch nie gewesen. Ich fahr einfach einmal hin und schau’. Ich lass’ mich überraschen“, strahlt sie. Die neue Bühnenlösung, bei der die Lesungen outdoor im Garten stattfinden, während die Jury im Saal sitzt, findet sie schon mal „großartig“. Und vor Kritik fürchtet sie sich nicht. „Meinen Text liebe ich von ganzem Herzen. Daran wird sich auch nichts ändern, wie er dort besprochen wird. Ich habe mir vorgenommen, dass ich das Ergebnis nicht ernst nehme – ganz egal, wie’s ausgeht.“

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

bachmannpreis.orf.at

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