Barock bis Beatles

Musiktheater: Standing Ovations für Bläserquintett Canadian Brass

Sorgten für Jubel in Linz: Canadian Brass
Sorgten für Jubel in Linz: Canadian Brass © Canadian Brass/Daniel D'Ottavio

Sie ziehen ein mit einer Art Dorftrauermarsch, untergründige Zwischentöne weisen schon drauf hin, welche Kaliber sich da am Donnerstag auf die Bühne des Musiktheaters spielen. Es geht um Blasmusik, eine kleine Partie aus zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba. Ausverkauft der große Saal, junges Publikum, Blasmusikfans. Keine gewöhnliche Brass-Truppe, das wissen die vielen Kenner.

Die Canadian Brass Band gibt es seit 50 Jahren, 5000 Auftritte, über 100 Alben, eine der weltbesten Brassbands. Ihr Programm „Happy New Year“ fand selbst in China begeisterte Aufnahme, Merkmal: Schwarzer Anzug, rote Krawatte, weiße Turnschuhe. Klassische Hits stehen vor der Pause auf dem Programm. In Blech übersetzten sie die Violinen des Winters aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, wie die große Orgel aus Bachs „Toccata und Fuge“.

Ein ironisch-kabarettistischer Zugang schwebt über allen Werken. Es geht weniger um die Interpretation der Musik, als um die Demonstration eines außergewöhnlichen Könnens, zu gut um schön zu sein. Als ob er die Trompeten in Zaum halten müsste, greift Chuck Daellenbach mit seiner Tuba ein. Selbst ins Schwelgen zu Schostakovitschs berühmtem russischen Walzer schnattert eine rasende Trompete. Jazz der 20er-Jahre präzise wie ein Uhrwerk, auch der kürzeste Ton trifft messerscharf. Wer auf herzhaft gespielte heimische Volksmusik steht, wird in der Pause von den „Hoamatlandlern“ bedient.

Begeisterung im Finale

Als ob sie sich erst warmgespielt hätten, treten die fünf Kanadier mit Zeitgenössischem nach der Pause an. Die Tuba zeigt im „Tuba Tiger Rag“, dass sie den Kollegen tempomäßig Paroli bieten kann. „Golyard’s Grounde“, ein langsames Stück in rhythmischen Harmonien, getragen von der Tuba. Simple Beatles Songs wie „Penny Lane“ zeigen ihre wahre Größe, hoch und schnell flattert der „Blackbird“. Begeisterung bricht aus im Finale beim „Carnival of Venice“ (Ein Hund kam in die Küche), ein Stück geschaffen für musikalische Temporekordhalter. Drei Zugaben, riesiger Jubel und Standing Ovations für hervorragende Musiker, die einfache Stücke zu ungeahnter Größe führen und große Musik mit Virtuosität übertönen.

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