Bauern bekommen 110 Mio. Euro zur Abfederung höherer Kosten

14 Euro zusätzlich gibt es pro „Großvieheinheit“ © APA/THEMENBILD/BARBARA GINDL

Zur Abfederung der gestiegenen Kosten bei Energie, Futter- und Düngemitteln bekommen die österreichischen Bauern vom Landwirtschaftsministerium zusätzliche Förderungen in Höhe von 110 Mio. Euro. 80 Mio. Euro aus diesem „Versorgungssicherungspaket“ werden laut Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) für die Energiekosten-Entlastung verwendet, 30 Mio. Euro für die Unterstützung der tierhaltenden Betriebe. Insgesamt sollen rund 110.000 Betriebe unterstützt werden.

„Alle Bäuerinnen und Bauern, die einen Antrag gestellt haben auf EU-Ausgleichszahlungen, werden diese Entlastung automatisch bekommen“, sagte Totschnig am Freitag bei einem Pressegespräch. „Sie brauchen also keinen neuerlichen Antrag stellen, sie müssen nicht eine zusätzliche Arbeit investieren. Das Entlastungsgeld wird mit Ende des Jahres ausgezahlt.“ Abgewickelt wird die Auszahlung über die Agrarmarkt Austria (AMA) auf Basis der beantragten beihilfefähigen Flächen und Großvieheinheiten. Dabei entspricht eine GVE einem erwachsenen Rind oder Pferd, Schweine, Schafe, Ziegen oder jüngere Tiere werden nach einem Schlüssel in GVE umgerechnet.

Berechnet wird der Versorgungssicherungsbeitrag anhand der Fläche oder der Anzahl der Tiere eines Betriebes. Der tierbezogene Beitrag liegt bei 14 Euro je Großvieheinheit. Der flächenbezogene Beitrag variiert je nach Flächennutzung. Der durchschnittliche Versorgungssicherungsbeitrag je Betrieb beträgt laut Totschnig rund 1.000 Euro.

Ein Ackerbaubetrieb mit 40 ha Ackerfläche und Zuschlag für 5 ha Hackfrüchte erhält beispielsweise rund 1.280 Euro. Ein Milchviehbetrieb mit 35 ha mehrmähdiger Wiese und 30 Großvieheinheiten Milchkühe erhält 1.770 Euro. Ein Schweinemast-Betrieb mit 30 ha Acker, Zuschlag für 15 ha Hackfrüchte und 60 Großvieheinheiten Mastschweine erhält etwa 2.000 Euro. Ein Mutterkuhbetrieb mit 10 ha mehrmähdiger Wiese, 10 ha einmähdiger Wiese und 24 Großvieheinheiten Mutterkühe erhält rund 885 Euro.

Insgesamt wird den Bauern mit den 110 Mio. Euro an zusätzlicher Förderung nur ein Bruchteil des Kostenanstiegs ersetzt. In den letzten zweieinhalb Jahren seien den Bauern auch coronabedingt Mehrkosten in Höhe von 1,1 Mrd. Euro entstanden, sagte Totschnig. Die 110 Mio. Euro kommen aus den Rücklagen des Landwirtschaftsministeriums. Zusätzlich ist eine eigene Unterstützungsmaßnahme im Ausmaß von 9 Mio. Euro für die von den Energiekostensteigerungen besonders betroffenen Betriebe im Geschützten Anbau (Glashäuser) in Vorbereitung und soll demnächst präsentiert werden.

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„Die Notierungen für einige landwirtschaftliche Rohstoffe sind zwar aktuell gestiegen, die letzte Ernte ist aber noch zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft worden“, sagte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger laut Aussendung. „Es ist keinesfalls gesichert, dass zum Zeitpunkt des Verkaufes, der im Falle des Ackerbaus frühestens im August und bei vielen Kulturen viel später erfolgt, nach wie vor gute Preise herrschen. Auch ist gänzlich unklar, ob die industriellen Verarbeiter von Zuckerrüben, Kartoffeln oder Gemüse bei dieser Preisrallye mithalten können.“

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass die österreichischen Steuerzahler zusätzlich auch für 68 Mio. Euro an Agrarförderungen geradestehen müssen, weil die EU-Kommission Agrardirektzahlungen in dieser Höhe einbehält und das mit einer nicht korrekte Abgrenzung zwischen Almregionen und anderen landwirtschaftlichen Flächen im Zeitraum 2015 bis 2019 begründet. Das Landwirtschaftsministerium will diesen Entscheid wie berichtet vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekämpfen, das Finanzministerium werde die ausfallenden EU-Förderungen zwischenfinanzieren.

Grundsätzlich wolle man die Importabhängigkeit bei Futtermitteln reduzieren, sagte Totschnig. „Österreich hat vergangenes Jahr die nationale Eiweißstrategie beschlossen. Die hat dazu geführt, dass es beispielsweise heuer schon einen weiteren Anstieg der Anbaufläche für Soja geben wird. Wir rechnen mit einem Anstieg von 22 Prozent auf knapp 90.000 Hektar, das sind 17.000 Hektar mehr.“ Auf EU-Ebene habe man im Agrarrat eine Initiative gestartet, mit der die EU-Kommission aufgefordert wird, eine EU-Eiweißstrategie vorzulegen. „Die österreichische Strategie sieht so aus, dass man bis 2030 die Importabhängigkeit um 50 Prozent reduzieren will.“

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