Bauernschläue, Boandlkramer und perfektes Ambiente

Theater Meggenhofen: „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“

Fritz Egger (r) als überzeugender Brandner Kaspar und Reinhold Moritz als „bestechlicher“ Tod.
Fritz Egger (r) als überzeugender Brandner Kaspar und Reinhold Moritz als „bestechlicher“ Tod. © Theater Meggenhofen

Schauplatz eines außergewöhnlichen Bühnenereignisses war am Samstagabend der 400 Jahre alte Theater-Bauernhof in Meggenhofen: „Der Brandner Kasper und das ewig‘ Leben“.

Das bekannte Volksstück rund um den schlauen Bauern, der dem Tod ein Schnippchen schlägt, wurde zu einer perfekten Symbiose aus Humor, Ernsthaftigkeit und authentischer Realisierung. Das Publikum – immerhin durften 200 der 400 vorhandenen Sitzplätze vergeben werden — dankte mit begeistertem Applaus, der freilich aufgrund der Corona-Regeln Punkt 22 Uhr vorbei sein musste.

Der 72-jährige Bauer Brandner Kaspar bekommt Besuch vom Tod, der ihn heimholen soll ins Paradies. Was dem Kaspar so gar nicht in den Kram passt, schließlich überlistet er den mit Kirschenschnaps reichlich abgefüllten „Boandlkramer“ beim Kartenspielen und schlägt sich auf diese Weise weitere 18 Lebensjahre heraus. Tragische Ereignisse schließlich führen aber dazu, dass der Brandner Kasper am Ende nicht nur einen Blick ins Paradies wirft, sondern dort auch verbleibt.

Flott und ohne Längen

Der aus Theater und TV bekannte Tiroler Schauspieler Martin Leutgeb zeichnet in Meggenhofen für Regie und Ausstattung verantwortlich. Der alte Bauernhof bietet ein ideales Ambiente und wird samt Balkon perfekt in die Handlungsabläufe integriert, die Sache geht flott und ohne Längen vor sich. Die Kostüme sind, je nach Szene, aufwendig, wie man sie in einem nicht-professionellen Theater selten sieht.

Was die Regie angeht, findet Leitgeb die richtige Mischung aus Humor bis zu gelegentlicher Deftigkeit einerseits und dem ernsten Thema des Sterbens und der Frage, was „danach“ kommt, andererseits. Um die Authentizität zu wahren, scheut die Inszenierung auch nicht vor „Massenszenen“ zurück – eben das bäuerliche Volk —, die aber durchchoreografiert sind. Mehr als 30 Laiendarsteller, alle aus der Region, agieren nicht nur mit viel Engagement sondern auch auf hohem Niveau.

Großartige Darsteller

Im Zentrum stehen naturgemäß die Protagonisten der Handlung, im Himmel als auch auf der Erde. Ein Dutzend sind es, durchwegs bekannte und erfahrene Schauspieler, etwa Fritz Egger als in seiner Zwiespältigkeit und Bauernschläue überzeugender Brandner Kaspar oder Ex-SOKO-Kitzbühel-Polizist Ferry Öllinger als gestrenger Erzengel Michael, Christoph Krutzler als polternder Bürgermeister und vor allem auch Reinhold Moritz als herrlich schussliger, gestresster und „bestechlicher“ Tod. Jede einzelne der tragenden Rollen ist beeindruckend verkörpert.

Alles in allem: Sommertheater vom Feinsten! Und dass am Premierenabend das Gewitter exakt zuwartete, bis die Aufführung zu Ende war, kann wohl angesichts von Petrus und Co. im Theater kein Zufall gewesen sein …

Termine: 12.,19.,25., 26. Juni, 3. und 4. Juli (jeweils 19.30 Uhr)

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